10 Tipps für den Besuch einer Vernissage, Teil 2

10 Tipps für den Besuch einer Vernissage, Teil 2

Einerseits ist es eine schöne Sache, zu einer Vernissage eingeladen zu werden. Immerhin kommen bei der Eröffnung einer Ausstellung lauter wichtige Persönlichkeiten zusammen, während das normale Durchschnittspublikum außen vor bleibt.

Andererseits stellt sich die Frage nach einem angemessenen Verhalten inmitten eben all jeder bedeutsamen Gäste, Kunstexperten und vermeintlicher Vernissage-Profis. Zumal da ja auch noch der Künstler mit seinen Arbeiten ist, die nicht zwangsläufig den eigenen Geschmack treffen müssen.

Damit der Ausflug in die Galerie zu einem gelungenen Nachmittag wird, haben wir zehn Tipps für den Besuch einer Vernissage zusammengetragen.

Hier ist Teil 2!:

 

Tipp 6: Keine Geschenke mitbringen.

Es gehört zwar zum guten Ton, den Künstler zu seiner Ausstellung zu beglückwünschen und sich für die Einladung zur Vernissage zu bedanken. Das sollte aber vor der Vernissage erfolgen. Denn bei der Vernissage geht es um die Bilder. Deshalb entlarvt sich der Besucher auch als Anfänger, wenn er während des Events auf den Künstler zugeht und ihm als Dankeschön und Anerkennung einen Blumenstrauß oder ein anderes Geschenk in die Hand drückt.

Der Profi hingegen hat die Blumen oder sein Geschenk zusammen mit seiner Zusage an den Künstler geschickt. Und beim Event schlendert er durch die Ausstellung und nickt dem Künstler bestenfalls kurz zu.

 

Tipp 7: Bei der Laudatio tapfer bleiben.

Ein mitunter etwas schwieriger Programmpunkt bei einer Vernissage ist die Laudatio. Denn die Lobrede stört nicht nur die nette Stimmung und unterbricht das entspannte Dahinplätschern der Veranstaltung. Vielmehr artet die Rede gerne aus.

Ein Kunstexperte neigt nämlich dazu, die ausgestellten Bilder bestenfalls kurz zu erwähnen, um dann zum großen Ganzen überzugehen. Er wird damit beginnen, über die Kunst und die Malerei als solches zu philosophieren und gewagte Thesen über die Schönheit, das Vergängliche, die Unendlichkeit und ähnliche kunstverwandte Themen aufzustellen.

Für den Besucher heißt das, dass er die Zähne zusammenbeißen und die Rede tapfer ertragen muss. Es sei denn, er gelingt ihm, sich vorher schon wegzustehlen und die Gelegenheit für einen Toilettengang oder eine Zigarettenpause zu nutzen.

 

Tipp 8: Champagner trinken.

Was bei einer entspannten Grillparty das Bier und bei einem guten Essen der Wein ist, ist bei einer Vernissage der Champagner. Ein weniger bekannter Künstler, der noch auf seinen großen Durchbruch wartet und deshalb ein eher knappes Budget zur Verfügung hat, wird möglicherweise zu Sekt greifen. Aber das prickelnde, leicht gelbliche Getränk in den hohen, schlanken Gläsern muss einfach sein. Und der Besucher sollte munter zugreifen, wenn sich die Bedienung mit dem Tablett nähert.

Es wirkt merkwürdig, wenn der Besucher kein Glas Sekt oder Champagner in seiner Hand hält. Oder wenn er gar auf die Idee kommt, nach einem anderen Getränk zu fragen.

Ein schöner Nebeneffekt ist, dass selbst etwas seltsam anmutende Kunstwerke nach dem zweiten oder dritten Glas Champagner gleich viel ansprechender aussehen. Die vielleicht etwas langatmige Laudatio ist ebenfalls leichter zu ertragen und auch die ach so wichtigen Kunstexperten wirken längst nicht mehr so unnahbar. Ein cleverer Schachzug ist außerdem, wenn sich der Besucher in der Nähe des kleinen Buffets positioniert oder unauffällig der Bedienung folgt, sofern anstelle eines Buffets Tabletts mit Häppchen herumgereicht werden. Denn auf diese Weise stehen seine Chancen, etwas von den Gratis-Snacks abzubekommen, einfach am besten.

 

Tipp 9: Den Katalog durchblättern und nicht um Preise feilschen.

Bei einer Vernissage liegt praktisch immer ein Katalog aus, der das Gesamtwerk des Künstlers zeigt. Und vom Besucher wird erwartet, dass er diesen Katalog wenigstens kurz durchblättert. Am besten setzt er dabei ein ernstes Gesicht auf und knabbert gedankenverloren auf dem Bügel seiner Lesebrille herum oder reibt sich behelfsweise am Kinn. Ein gelegentlich halblaut gemurmeltes „Oha“ oder etwas in dieser Art rundet die Szenerie perfekt ab.

Generell geht es bei einer Vernissage eigentlich weniger darum, die Bilder des Künstlers zu verkaufen. Das Ziel ist eher, die Bekanntheit des Künstlers zu erhöhen oder den Besuchern seine neuesten Arbeiten zu präsentieren, um auf diese Weise seinen Marktwert zu steigern.

Möchte der Besucher trotzdem ein Gemälde kaufen, muss er den Preis, der auf dem Preisschild am Bild angegeben ist, ohne Diskussionen akzeptieren. Es wirkt unprofessionell und kleingeistig, wenn der Besucher während einer Vernissage damit beginnt, um den Preis zu feilschen. Will der Besucher das Bild zwar haben, den ausgeschilderten Preis aber nicht bezahlen, muss er mit den Verhandlungen und dem Kauf bis nach der Ausstellung warten.

 

Tipp 10: Rechtzeitig gehen.


Bleibt noch die Frage, wann der Besucher die Vernissage wieder verlassen kann. Nun, ein möglicher Zeitpunkt wäre vor der Laudatio. Ein anderer guter Zeitpunkt wäre, wenn die Tabletts mit Champagner oder Sekt und Häppchen leer sind und nicht mehr aufgefüllt werden. Aber auch wenn die ersten Gäste gehen, ist ein guter Moment gekommen, um sich ihnen anzuschließen.

Jedenfalls sollte der Besucher nicht zu lange warten. Bleibt er als einer der letzten Gäste zurück, vermittelt er nämlich den Eindruck, er habe sonst nichts anderes zu tun. Gleichzeitig weist sich der Besucher damit als jemand aus, der eher unwichtig und langweilig ist. Ob er dann noch ein zweites Mal zu einer Vernissage eingeladen wird, ist allerdings fraglich.

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