Acrylfarben und Ölfarben im Vergleich

Acrylfarben und Ölfarben im Vergleich

Auf den ersten Blick lässt sich mitunter gar nicht so einfach entscheiden, ob ein Gemälde mit Acryl- oder mit Ölfarben gemalt wurde. Je nach Maltechnik können sich ein Acryl- und ein Ölbild nämlich optisch durchaus recht nahe kommen.

Beim Arbeiten mit den Farben werden die Unterschiede aber schnell deutlich. Die Farben sind verschieden aufgebaut und weisen durch die unterschiedlichen Bestandteile andere Eigenschaften auf. Hinzu kommt, dass der Umgang mit Ölfarben etwas anspruchsvoller ist als das Malen mit Acrylfarben.

Acrylfarben

Acrylfarben gehören zu den eher jungen, modernen Malmitteln. Die ersten Künstleracrylfarben kamen Ende der 1940er-Jahre in den USA auf den Markt, in Europa werden sie seit den 1960er-Jahren hergestellt. Die meisten Acrylfarben haben Kunststoffdispersionen als Basis. Inzwischen sind aber auch Acrylfarben erhältlich, die auf organischen Lösungsmitteln basieren. Acrylfarben bestehen aus drei Hauptkomponenten:

  1. Farbpigmente: Die Farbpigmente in Acrylfarben können organischer oder anorganischer Herkunft sein. Sie geben einer Acrylfarbe ihren Farbton.
  2. Bindemittel: Die Bindemittel sorgen zum einen für die Verbindung der Farbpigmente untereinander. Zum anderen stellen die Bindemittel sicher, dass sich die Farbpigmente mit dem Malgrund verbinden. Im feuchten und flüssigen Zustand sind die Bindemittel milchig weiß, trocknen aber transparent auf. Diese Eigenschaft führt dazu, dass die Acrylfarben beim Vermalen etwas anders aussehen als im getrockneten Zustand.
  3. Lösungsmittel: Die Aufgabe der Lösungsmittel besteht darin, die enthaltenen Bindemittel zu lösen. Wenn die Farben trocknen, verdunsten die Lösungsmittel. Das am häufigsten verwendete Lösungsmittel bei Acrylfarben ist Wasser.

    Die Acrylmalerei ermöglicht verschiedenste Maltechniken. So können Acrylfarben direkt aus der Tube in der Alla-Prima-Technik vermalt oder in mehreren Farbschichten übereinander angelegt werden. Eine andere Möglichkeit ist die Impastotechnik.

Hierbei werden recht dicke Farbschichten mit einem Spachtel oder einem Malmesser auf den Untergrund aufgebracht. Andersherum ist es möglich, die Acrylfarben mit Wasser zu verdünnen und Lasuren zu gestalten. Werden die Acrylfarben mit Wasser verdünnt und mit Acrylbinder angereichert, können Aquarellmaltechniken umgesetzt werden.

Mit Acrylfarben kann auf fast jedem festen und fettfreien Untergrund gemalt werden. Eine besondere Grundierung ist dabei oft nicht erforderlich. Interessante Effekte lassen sich erzielen, wenn den Farben Pasten, Gele, Sand und andere Strukturmittel beigemischt werden. Außerdem sind Malmittel erhältlich, die die schnelle Trocknungszeit der Farben verlängern.

Solange die Farben noch nicht getrocknet sind, können die Pinsel und die anderen Arbeitsgeräte einfach mit Wasser abgewaschen werden. Später ist eine Reinigung nur mit speziellen Lösungsmitteln möglich, denn Acrylfarben trocknen wasserunlöslich auf.

 

Ölfarben

Ölfarben gehören zu den Klassikern unter den Farbsorten. Sie setzen sich aus zwei Hauptbestandteilen zusammen:

  1. Farbpigmente: Die Farbpigmente, die organischen oder anorganischen Ursprungs sein können, sind für den Farbton zuständig.
  2. Bindemittel: Als Bindemittel enthalten Ölfarben Öl. Bei dem Öl kann es sich unter anderem um Lein-, Walnuss- oder Mohnöl handeln. Das Öl bestimmt die Eigenschaften von Ölfarben maßgeblich.

    Zu den großen Pluspunkten von Ölfarben gehören die Farbbrillanz, die hohe Lichtechtheit und die hervorragende Deckkraft. Keine andere Farbe kann derart intensive und brillante Farbeindrücke erzielen. Was die Maltechniken angeht, so bieten Ölfarben eine breite Palette an Möglichkeiten. Allerdings muss immer die Grundregel „Fett auf mager“ eingehalten werden.

Farbschichten, die über anderen Farbflächen angelegt werden, müssen also einen zunehmend hohen Ölanteil enthalten. Wird die Malregel nicht berücksichtigt, kann es passieren, dass sich Risse bilden. Gleichzeitig ist der Ölgehalt einer der Hautgründe dafür, dass Ölfarben nur begrenzt mit anderen Farbsorten kombiniert werden können. Um verschiedene Maltechniken umsetzen zu können, sind diverse Malmittel erhältlich.

Die Malmittel verändern beispielsweise die Konsistenz der Ölfarben, zögern die Trocknung heraus oder beschleunigen den Trocknungsvorgang. Generell trocknen Ölfarben aber nur sehr langsam. Bis ein Ölbild vollständig durchgetrocknet ist, dauert es mitunter mehrere Monate. Ölgemälde entstehen üblicherweise auf Leinwand oder auf Holzplatten.

Beide erfordern eine Grundierung, damit die Ölfarben optimal auf dem Malgrund haften. Ölfarben sind nicht wasserlöslich, weder im feuchten noch im trockenen Zustand. Aus diesem Grund müssen Pinsel und Arbeitsgeräte immer mit einem Lösungsmittel gesäubert werden.

 

Acrylfarben und Ölfarben im Vergleich

Ein echter Vergleich zwischen Acryl- und Ölfarben ist nur bedingt möglich, denn dazu sind die Farben einfach viel zu verschieden. Was die Handhabung und die Eigenschaften angeht, lassen sich aber dennoch folgende Vergleiche ziehen:

  • Grundierung: Acrylfarben können auf nahezu allen Malgründen verwendet werden, die fest und fettfrei sind. Leinwand, ein anderes textiles Gewebe oder Holz kommen als Malgrund also genauso in Frage wie beispielsweise Papier, Pappe, Metall, Glas, Kunststoff oder Stein. Eine Grundierung ist möglich, aber oft nicht unbedingt notwendig. Ein Ölbild stellt höhere Anforderungen an den Malgrund. Zudem kann in aller Regel nicht auf eine Grundierung verzichtet werden. Ohne die richtige Grundierung würde das Öl nämlich in den Malgrund einziehen und die Farbpigmente würden ohne ausreichende Bindung auf dem Malgrund aufliegen.
  • Konsistenz und Geruch: Sowohl Acryl- als auch Ölfarben können direkt so vermalt werden, wie sie aus der Tube kommen. Daneben ist es möglich, beide Farbsorten mit entsprechenden Malmitteln zu mischen, um ihre Konsistenz zu verändern. Um Acrylfarben zu verdünnen, reicht Wasser aus. Nur wenn die Farben sehr stark verdünnt werden, sollte für eine bessere Haftung auch etwas Acrylbinder beigemischt werden. Generell riechen Acrylfarben übrigens kaum. Ölfarben hingegen sind recht geruchsintensiv. Verdünnt werden Ölfarben meist mit Terpentinöl. Dies führt jedoch zu einem noch etwas stärkeren Geruch.
  • Mal- und Mischtechniken: Mit Acrylfarben lassen sich fast alle Maltechniken umsetzen und auch eine Kombination mit anderen Farbsorten ist problemlos möglich. Im Unterschied dazu sind Ölfarben nicht ganz so vielseitig einsetzbar. Das enthaltene Öl und die daraus resultierenden maltechnischen Eigenschaften führen außerdem dazu, dass sich Ölfarben nur mit wenigen anderen Farbarten vertragen. Allerdings ist es möglich, Acryl- und Ölfarben miteinander zu kombinieren. Dabei können die Untermalung und der Hintergrund mit Acrylfarben gemalt und die oberen Farbschichten des Bildes mit Ölfarben angelegt werden. Andersherum, also Acryl auf Öl, funktioniert jedoch nicht.
  • Farbschichten: Wenn es um die Dicke der Farbschichten geht, gibt es bei Acrylfarben kaum Begrenzungen. Selbst bei sehr dicken Farbschichten sind keine Risse zu befürchten. Ölfarben hingegen neigen dazu, Risse zu bilden, aufzuplatzen oder abzublättern, wenn die Farbschichten dicker angelegt wurden.
  • Trocknungsverhalten: Wenn Acrylfarben trocknen, verändern sie zum einen ihre Farbe ein wenig. Dies liegt daran, dass das Bindemittel in den Farben zunächst milchig weiß ist und erst nach dem Trocknen transparent wird. Zum anderen verdunstet das enthaltene Wasser, wodurch Acrylfarben etwas an Volumen verlieren. Ölfarben sehen farbtechnisch in feuchtem Zustand genauso aus wie nach dem Trocknen. Zudem vergrößert sich ihr Volumen ein wenig. Dies hat zur Folge, dass Pinselstriche und andere Strukturen auch nach dem Trocknen gut sichtbar erhalten bleiben.

    Trocknungszeit: Acryl- und Ölfarben trocknen wasserunlöslich auf. Dabei trocknen Acrylfarben sehr schnell. Dies ist insofern ein Vorteil, als dass mehrere Farbschichten übereinandergelegt werden können, ohne dass der Künstler lange Unterbrechungen in Kauf nehmen muss. Ölfarben brauchen deutlich länger, bis sie trocken sind. Selbst bei recht dünnen Farbschichten kann es mehrere Tage dauern, bis sie durchgetrocknet sind. Die lange Trocknungszeit bringt aber den Vorteil mit sich, dass entsprechend lange Korrekturen vorgenommen und Mischtöne direkt auf dem Bildträger angelegt werden können. Für beide Farbsorten sind Malmittel erhältlich, die die Trocknungszeit etwas verkürzen oder verlängern.

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