4 Fragen zu Malmitteln in der Acrylmalerei

4 Fragen zu Malmitteln in der Acrylmalerei

Auch in der Acrylmalerei kommen verschiedene Malmittel zum Einsatz. Welche das sind und wofür sie verwendet werden, erklärt dieser Beitrag.

Acrylfarben sind so eingestellt, dass sie direkt aus der Tube oder Flasche heraus verarbeitet werden können. Es ist nicht notwendig, sie mit bestimmten Komponenten zu vermischen oder anzureichern. Allerdings kennt die Acrylmalerei einige Maltechniken, bei denen der Einsatz von Malmitteln durchaus sinnvoll und manchmal sogar erforderlich sein kann.

Doch welche Malmittel gibt es überhaupt? Und wofür werden sie genutzt? Hier sind vier Fragen zu Malmitteln in der Acrylmalerei – und natürlich die Antworten dazu!

Frage 1: Wofür werden Malmittel verwendet?

Grundsätzlich werden Acrylfarben immer dann mit Malmitteln kombiniert, wenn veränderte Eigenschaften gewünscht sind. So sind beispielsweise Malmittel erhältlich, durch die die Acrylfarben angedickt werden. In der pastenartigen Konsistenz können die Acrylfarben dann mit dem Malmesser in dickeren Schichten auf den Malgrund gespachtelt werden.

Ebenso ist möglich, mit diesen Farben Strukturen anzulegen, die auch nach dem Trocknen noch deutlich sichtbar sind. Daneben gibt es Malmittel, die bei stark verdünnten Acrylfarben verwendet werden. Werden Acrylfarben stark verdünnt, um beispielsweise Lasuren anzulegen, reduziert sich der Anteil an Bindemitteln. Die Folge davon ist, dass die Farben nicht optimal auf dem Malgrund haften und nicht wasserfest auftrocknen, sondern die Farbpigmente lose auf dem Malgrund aufliegen.

Wenn dann weitere Farbschichten aufgebracht werden, waschen sich die Farbpigmente der Lasuren aus. Malmittel wirken dem entgegen, indem sie den Bindemittelanteil wieder erhöhen. Eine weitere Variante sind Malmittel, die die Trocknungszeit der Acrylfarben verlängern.

Die Malmittel in der Acrylmalerei sind nicht nur für verschiedene Anwendungsbereiche gedacht. Stattdessen haben sie auch unterschiedliche Konsistenzen und Glanzgrade. Während Acrylbinder und Acrylpasten ähnlich dickflüssig sind wie Acrylfarben, haben andere Malmittel eine deutlich dünnflüssigere Konsistenz.

Gemeinsam ist aber allen Malmitteln, dass sie wie Acrylfarben im feuchten Zustand milchig weiß sind und erst nach dem Auftrocknen transparent werden. Aus diesem Grund sollten Malmittel eher sparsam beigemischt werden. Denn je mehr Malmittel hinzugefügt wird, desto trüber wirkt die jeweilige Acrylfarbe. Dies wiederum macht es schwierig, zu beurteilen, wie der Farbton im trockenen Zustand aussehen wird.

 

Frage 2: Wann wird Acrylbinder als Malmittel genutzt?

Acrylbinder besteht aus Reinacrylat und Wasser. Er ist ein Bestandteil von Acrylfarben und dient dort als Bindemittel. Im Grunde genommen ist Acrylbinder, der auch als Acrylbindemittel, Reinacrylat, Acrylharzdispersion oder Acrylatharzdispersion bezeichnet wird, einfach eine transparente Acrylfarbe, also eine Acrylfarbe ohne Farbpigmente. Und in der Acrylmalerei ist der Acrylbinder ein echtes Multitalent.

Als Malmittel wird er für folgende Anwendungen genutzt:

・       Grundierung: Eine rohe, unbehandelte Leinwand kann mit Acrylbinder grundiert werden. Dazu wird der Acrylbilder mit etwas Wasser verdünnt und in mehreren dünnen Schichten auf den Malgrund aufgebracht. Das Ergebnis ist eine elastische Grundierung, die für eine optimale Haftung der Farbschichten sorgt.

・       Lasuren: Bei stark verdünnten Acrylfarben ist der Bindemittelanteil oft zu gering, um eine gute Haftung zu gewährleisten. Durch das Beimischen von Acrylbinder steigt der Bindemittelanteil wieder. Dadurch werden lose Farbpigmente zuverlässig gebunden, die Lasuren verkleben mit dem Malgrund und die Farbschichten trocknen wasserfest auf. Als Faustregel für das Mischungsverhältnis gilt, dass einem Teil verdünnter Acrylfarbe drei Teile Acrylbinder beigemischt werden. Es ist aber nicht notwendig, die Menge exakt abzumessen. Denn wenn mehr Acrylbinder beigegeben wird, sind keine nachteiligen Effekte zu befürchten.

・       Eigene Acrylfarben: Für selbst hergestellte Acrylfarben wird zunächst ein Farbbrei angesetzt, der aus Farbpigmenten und Wasser besteht. Dieser Farbbrei wird dann durch die Zugabe von Acrylbinder zu einer Acrylfarbe.

・       Zwischenfirnis: Es kann verschiedene Gründe geben, warum Acrylfarben keine gute Haftung auf dem Malgrund haben. Zu stark verdünnte Lasuren ohne zusätzlichen Acrylbinder, Acrylfarben mit zu schwacher Einstellung oder eine nur bedingt geeignete Grundierung sind typische Ursachen. Abhilfe kann dann eine Schicht Acrylbinder sein. Diese Schicht fungiert als Zwischenfirnis und sorgt dafür, dass die Farbschichten stabilisiert, die losen Farbpigmente gebunden und die Acrylfarben dauerhaft mit dem Malgrund verklebt werden. Nach dem Trocknen bleibt durch den Acrylbinder aber eine leicht klebrige Oberfläche zurück. Deshalb eignet sich Acrylbinder zwar als Zwischenfirnis, als Schlussfirnis aber nicht.

・       Klebstoff: Bei Collagen und Materialbildern ist Acrylbinder ein idealer Klebstoff. Er hält Sand, Steine, Äste, Papierschnipsel, Stofffetzen und andere Gegenstände sicher auf dem Malgrund. Gleichzeitig kann der aufgebrachte Gegenstand übermalt werden, denn Acrylbinder ist nichts anderes als eine farblose Acrylfarbschicht.

 

Frage 3: Was ist ein Retarder?

Acrylfarben kennzeichnen sich durch ihre schnelle Trocknungszeit. Dies ist zwar einerseits ein großer Vorteil, denn es entstehen keine langen Wartepausen beim Malen. Andererseits bleibt aber nur wenig Zeit, um Farbschichten auszuarbeiten. Abhilfe schaffen hier Malmittel, die unter Bezeichnungen wie Retarder, Acrylverzögerer oder Trocknungsverzögerer im Künstlerbedarf erhältlich sind.

Sie sorgen dafür, dass der Trocknungsprozess hinausgezögert wird. Wichtig ist aber, die Dosierung, die auf der Verpackung abgegeben ist, genau einzuhalten. Wird ein Retarder zu großzügig verwendet, kann es nämlich passieren, dass die Acrylfarbe gar nicht mehr vollständig trocknet.

Übrigens: Malmittel, die die Trocknung verzögern, setzen sich aus Alkoholen, Feuchthaltemitteln und Additiven zusammen. Damit kommen sie Glycerin recht nahe. Einige Künstler greifen deshalb auch auf reines Glycerin als Malmittel zurück. Hobby-Maler mit wenig Erfahrung sollten aber besser bei den Malmitteln aus dem Künstlerbedarf bleiben.

Frage 4: Wozu dienen Strukturpasten?

Strukturpasten sind Malmittel, die es ermöglichen, einzelne Farbschichten oder den Malgrund zu strukturieren. Erhältlich sind die Strukturpasten in verschiedenen Varianten, die die gesamte Bandbreite von glatt und fein bis hin zu körnig und grob abdecken. Am vielseitigsten nutzbar sind aber herkömmliche, glatte Strukturpasten. Denn sie können einerseits direkt so verwendet werden, wie sie sind. Andererseits können sie mit Sand, kleinen Steinchen und anderen Materialien vermengt werden, wenn eine andere Oberflächenstruktur entstehen soll.

Die Pasten werden auf den Malgrund aufgebracht und dann mit einem Spachtel oder Malmesser geformt. Besondere Muster entstehen, wenn Gegenstände wie Steine, Äste, Muscheln, Blätter, Schwämme oder Stoffstücke als Stempel in die Schicht gedrückt werden. Auch mit Gabeln, Kämmen oder Bürsten, die durch die aufgetragene Strukturpaste gezogen werden, lassen sich tolle Effekte erzielen.

Nach dem Formen können die Strukturschichten mit Acrylfarben eingefärbt werden. Möglich ist aber auch, den Strukturpasten schon vor dem Auftragen Acrylfarben beizumischen. Dadurch werden die Strukturen von Anfang an farbig angelegt. Wichtig beim Arbeiten mit Strukturpasten ist aber, einen stabilen und gut grundierten Malgrund zu verwenden. Andernfalls kann es passieren, dass dickere Schichten reißen oder dass sich der Malgrund durch das Gewicht verformt.

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