Kunststile der Moderne: der Kubismus

Kunststile der Moderne: der Kubismus

Der Kubismus gilt als einer der wichtigsten Kunststile der Moderne. Er läutet eine neue Ära in der Malerei ein und wird zum Wegbereiter der abstrakten Kunst. Prägendes Element des Kubismus sind die kubischen Konstruktionen, die ein Objekt auf einfache, geometrische Figuren reduzieren.

 

Die Grundidee des Kubismus

Die Bezeichnung Kubismus geht auf das lateinische Wort cubus für Würfel zurück. Als Bezeichnung für den Kunststil wird der Begriff durch den Kunstkritiker Louis Vauxcelles geprägt, der im Zusammenhang mit Arbeiten von Georges Braque von bizarreries cubiques spricht. Die Anfänge des Kubismus liegen um das Jahr 1906 herum.

Vor dem Eindruck der zunehmend dominierenden Industrialisierung versteht sich der Kubismus als Antwort und Gegenstück zur realistischen Malerei. Während sich der Realismus damit begnügt, die dargestellten Objekte aus einer Perspektive zu sehen und abzubilden, ist den Kubisten für ihren künstlerischen Ausdruck nur eine Sicht auf die Dinge entschieden zu wenig.

Deshalb zerlegen sie die Objekte in geometrische Figuren und ordnen diese Figuren so an, dass der Betrachter optisch den Eindruck hat, er könne das ursprüngliche Objekt tatsächlich aus verschiedenen Blickwinkeln sehen.

 

Die zeitgeschichtlichen Hintergründe

Paul Cézanne vertritt die Auffassung, dass sich die Natur, wie der Mensch sie wahrnimmt, komplett auf geometrische Körper reduzieren lässt. Die gesamte sichtbare Wirklichkeit kann auf Würfel, Kugeln und Kegel heruntergebrochen werden. Diese künstlerische Aussage und Haltung bringt Cézanne die Rolle desjenigen ein, der der kubistischen Idee zumindest in der Theorie den Weg bereitet hat.

Der Kubismus kommt in einer Zeit auf, in der die Industrialisierung am Anfang steht. Die neue Technik ist auf dem Vormarsch, die industrielle Produktion nimmt immer mehr Raum ein. Die Menschen haben zunehmend das Gefühl, den Maschinen untergeordnet zu sein und unter deren Herrschaft zu stehen. Für sie geht die Technik nicht nur mit Selbstständigkeit einher, sondern auch mit Unnatürlichkeit.

Die geometrischen Formen des Kubismus finden sich in den Maschinen wieder. Daraus lässt sich die These ableiten, dass in dem Zuge, in dem die Technik und die Maschinen Einzug ins Bewusstsein der Menschen hielten, auch die Geometrie ihren Einzug in die Kunst fand.

 

Die Ausprägungen des Kubismus

Die Grundidee des Kubismus besteht darin, ein Objekt auf künstlerische Art und Weise auf geometrische Formen zu reduzieren. Und durch die perspektivische Anordnung der geometrischen Figuren soll der Betrachter den Eindruck haben, dass er das Objekt nicht nur von vorne sieht, sondern auch von hinten, von oben, von unten, von rechts und von links. Dabei lassen sich mit dem analytischen, dem synthetischen und dem Farbkubismus drei Stile innerhalb des Kubismus voneinander unterscheiden.

 

Der analytische Kubismus

Im analytischen Kubismus, der auch als früher Kubismus bezeichnet wird und zwischen 1907 bis 1911 aufkommt, steht das Zerlegen des Bildobjekts im Vordergrund. Die Kubisten wählen geometrische Formen, die zusammenpassen und aus denen das Bildobjekt zusammengesetzt werden kann. Dabei beschränken sich die Kubisten zunächst auf wenige und recht blasse Farben.

Denn sie befürchten, dass eine üppige und kräftige Farbenvielfalt zu sehr von den Formen und Figuren ablenken könnte. Doch gerade die geometrischen Körper sollen ja im Vordergrund stehen. Zudem haben sie Sorge, dass viele verschiedene Farben die geometrischen Formen, die sich vereinen und gemeinsam das Bildobjekt ergeben sollen, zu stark voneinander abgrenzen und damit voneinander trennen könnten. Erst später wagen sich die Kubisten auch an ein größeres Farbspektrum heran.

 

Der synthetische Kubismus

Der synthetische Kubismus, der seine Blüte zwischen 1912 und 1924 erlebt, geht einen Schritt weiter. Anders als der analytische Kubismus konzentriert sich der synthetische Kubismus nicht nur darauf, ein Objekt in geometrische Formen zu zerlegen und zusammengesetzt aus diesen Formen darzustellen. Stattdessen verfolgt der synthetische Kubismus das Ziel, die geometrischen Formen so zusammenzufügen, dass das Objekt auf dem Bild scheinbar von allen Seiten und aus verschiedenen Perspektiven zu sehen ist.

Gleichzeitig beginnen die Kubisten damit, Objekte darzustellen, die eigentlich nicht zusammengehören, auf dem Bild aber ineinanderfließen. Außerdem experimentieren sie zunehmend mit Farben.

Auch mit der Entstehung der Collage wird der synthetische Kubismus in Verbindung gebracht. So befestigt beispielsweise Pablo Picasso Materialien wie Holz, Sand oder Stoff auf der Leinwand und kombiniert diese echten, realen Objekte mit gemalten Bildelementen. Dadurch schafft er eine weitere, nun plastische Sichtweise. Denn die aufgeklebten Objekte treten erhaben aus der Bildfläche hervor und eröffnen damit zusätzliche Perspektiven.

 

Der Farbkubismus

Der Farbkubismus löst sich etwas von den streng geometrischen Formen. Er stellt die Bildobjekte abstrakter dar und arbeitet dazu vor allem mit runden Formen und bunten Farben. Das Farbsystem des französischen Chemikers Michel E. Chevreul bildet die Grundlage für die kreisförmige Anordnung der Farben. Auf der Leinwand sind bunte Prismen zu sehen, die leicht und fast wie Musik wirken. Tatsächlich ist das auch die Absicht des Farbkubismus.

Denn die Farbkubisten wollen eine Kunstrichtung erschaffen, die als reine Malerei einen Kontrast zur reinen Musik bildet. Aus diesem Grund wird der Farbkubismus auch, angelehnt an den antiken Sänger Orpheus, als Orphismus bezeichnet.

Eine weitere Ausprägung ist der Kubofuturismus, bei dem der Kubismus und der Futurismus miteinander verschmelzen. Charakteristisch für den Kubofuturismus ist, dass das Bildobjekt in zylindrische Formen zerlegt wird. Der Kunststil kommt vor dem Ersten Weltkrieg in Russland auf und entwickelt sich zu einer rein abstrakten Ausdrucksform, die sich später im Konstruktivismus wiederfindet.

 

Wichtige Vertreter und die Bedeutung des Kubismus

Die wichtigsten Vertreter des Kubismus sind Pablo Picasso und Georges Braque. Daneben spielt Juan Gris eine Schlüsselrolle, denn er gilt als derjenige, der den synthetischen Kubismus als Nachfolger des analytischen Kubismus ins Leben ruft. Der Farbkubismus ist vor allem durch die Arbeiten von Robert Delaunay geprägt, während Kasimir Malewitsch, Ivan Puni und Ljubow S. Popowa zu den Protagonisten des Kubofuturismus zählen.

Der Kubismus markiert einen Meilenstein in der Malerei. Mit ihm beginnt die Ära der abstrakten und nichtsachlichen Kunst. Gleichzeitig beeinflusst der Kubismus viele verschiedene Kunststile, allen voran den Futurismus.

Zahlreiche Künstler, die sich anfangs an Kubisten verstehen, entwickeln neue Ideen und setzen mit ihren Ansätzen und Ausprägungen unterschiedliche Varianten der modernen Kunst um. Aber auch auf die Architektur und die Musik nimmt der Kubismus Einfluss. Aus diesem Grund wird der Kubismus als einer der bedeutendsten Kunststile der Moderne betrachtet.

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