Kunststile der Moderne: der Dada

Kunststile der Moderne: der Dada

Dada war eine künstlerische und literarische Bewegung, die sich in erster Linie dadurch kennzeichnete, dass sie die etablierte Kunst ablehnte. Die Dadaisten rebellierten gegen die Kunst und die traditionellen Kunstformen.

Nach ihrem Verständnis sollten ihre Arbeiten nie in Museen hängen, neben all den anderen spießigen und altbackenen Kunstwerken. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb setzte der Dada starke Impulse für die Kunst der Moderne und die heutige, zeitgenössische Kunst.

 

Die Geburtsstunde des Dada

1916 sitzen die Künstler Hugo Ball und Richard Huelsenbeck im Cabaret Voltaire in Zürich zusammen und denken über einen Künstlernamen für eine befreundete Künstlerin nach. Als Inspirationsquelle nutzen sie ein Deutsch-Französisch-Wörterbuch. Irgendwann tippen sie schließlich mit einem Messer auf das Wörterbuch. Dabei zeigt die Messerspitze auf das Wort Dada, die französische Vokabel für Holzpferdchen.

Spontan entscheiden sich die beiden Künstler dazu, diesen Namen für den Kunststil zu verwenden, dem sie sich neuerdings widmen. – So in etwa könnte der Dada seinen Anfang genommen haben. Die Art und Weise, wie es zu der Namensgebung kam, passt jedenfalls zu diesem Kunststil.

Denn der Dada hat kein Konzept und stellt sich gegen alle bestehenden, etablierten und traditionellen Konzepte in der Kunst. Mitten in den Wirren des Ersten Weltkrieges und im Schweizerischen Zürich begründet, verbreitet sich der Dada recht schnell. Und neben Zürich entwickeln sich Berlin, Hannover, Paris und New York zu wichtigen Zentren des Dada.

 

Die Ideen hinter Dada

Der erste Weltkrieg gehört zu den Kernthemen der Dadaisten. Dada lehnt den Krieg entschieden ab und erklärt ihn für sinnlos. Gleichzeitig sieht sich der Dada als Revolte gegen die Gesellschaft und gegen die bestehenden Kunststile. Die Dadaisten wollen bewusst provozieren.

Als Ausdrucksmittel nutzt der Dada zum einen die Sprache und zum anderen die Malerei. Hier entdeckt der moderne Kunststil dann auch neue Wege für sich. So arbeiten die Dadaisten mit der Collagetechnik, die etwa durch Kurt Schwitters einen Höhepunkt erlebt. Ganz nebenbei legen die Dadaisten mit ihren Arbeiten und ihrem Bestreben, den Betrachter zu provozieren und zu irritieren, prägende Grundsteine für das seinerzeit noch junge Medium Werbung. Für die Industrie und die Wirtschaft gewinnt die Werbung immer mehr an Bedeutung und in den 1930er-Jahren werden die Dadaisten zu wichtigen Ansprechpartnern, deren Erfahrungen sehr geschätzt sind.

Neben der Collagetechnik erlebt auch die Fotomontage im Dada ihre Geburtsstunde. Durch die Fotomontage eröffnet sich für die Dadaisten die Möglichkeit, ihren Arbeiten eine bisher unerreichte Wirkung zu verleihen. Die Fotografie steckt noch in den Kinderschuhen und die Menschen finden in ihr eine Art Wahrheit.

Die Dadaisten kreieren künstlerisch und kunsthandwerklich raffinierte Fotomontagen, bei denen sie Menschen in eine Beziehung zueinander setzen können, wie es in der Realität unmöglich wäre. Ein prominentes Beispiel hierfür ist John Heartfield, der sich mit seinem politisch geprägten Gesamtkunstwerk gegen den Nationalsozialismus stellt und für die Idee des Sozialismus einsetzt.

 

Das Ready Made

Ein anderer zentraler Aspekt der dadaistischen Kunst ist das Ready Made. Es basiert auf dem Ansatz, das Konzept der etablierten Kunst und das traditionelle Kunstverständnis in Frage zu stellen. Dazu werden einfache Alltagsgegenstände und gezielt ausgesuchte, industriell gefertigte Massenprodukte auf einen Sockel gestellt, vom Künstler signiert und in den Museen der Modernen Kunst präsentiert.

Durch diese Ready Mades wollen die Dadaisten aber nicht nur provozieren. Vielmehr möchten sie damit zum Ausdruck bringen, dass es bei der Kunst nicht auf den Gegenstand als solches ankommt. Entscheidend ist vielmehr die Wahl, die jeder Betrachter trifft, wenn er sich einen Gegenstand anschaut und dabei für sich bestimmt, ob er einen Kunstgegenstand vor sich sieht oder ob nicht. Als bedeutendster Vertreter der Ready Made-Kunst gilt Marcel Duchamp.

 

Der Zeitgeist während des Dada

Während der Erste Weltkrieg tobt, breitet sich der Dada erst in Europa und dann auch international aus. Die Dadaisten stellen sich gegen das politische System, weil es ihrer Ansicht nach den Krieg unterstützt. Sie glauben nicht mehr an bürgerliche Ideale und zweifeln an Werten wie Mut, dem Glauben an Gott oder der Liebe zum Vaterland.

Sie hinterfragen den Nationalismus und den Militarismus, die sich zunehmend ausbreiten, kritisch. Der Dada beschränkt seine Ablehnung aber nicht nur auf das politische System. Vielmehr sehen die Dadaisten in ihrer Kunst einen direkten Gegenentwurf zum Expressionismus und zum Futurismus. Teilweise verstehen die Dadaisten den Dada sogar als die Anti-Kunst überhaupt.

 

Lautgedichte und Zerstörung

Dada ist eine Kunstform und eine literarische Bewegung. Gleichwohl schenken die Dadaisten der Sprache und der Argumentation kein Vertrauen. Die Enttäuschung darüber, wie gestandene und ehrwürdige Politiker die Sprache für ihre Zwecke benutzen, ihren Sinn verkehren und sie als Instrument für ihre machtorientierten Absichten missbrauchen, sitzt zu tief. Eine entsprechende Argumentation hat offensichtlich das Potenzial, jedes noch so fragwürdige Interesse in ein scheinbar ehrvolles Ziel umzumünzen.

Aus diesem Grund behandeln die Dadaisten die Sprache in einer ungewöhnlichen Form. In den typisch dadaistischen Lautgedichten verliert die Sprache ihre Funktion als Bedeutungsträger. Die Gedichte sollen keine Bedeutung im eigentlichen Sinne haben, sie sollen ruhig sinnlos wirken. Was zählt, ist einzig und allein der Tonfall der Laute, der fast schon beschwörend wirkt. Die Karawane von Hugo Ball ist ein prominentes Beispiel für ein solches Lautgedicht.

Die Dadaisten nennen sich übrigens selbst nicht so und verwenden auch den Begriff Dadaismus nicht. Sie belassen es beim Dada, um zu verdeutlichen, dass sie keinem Konzept und keiner Ideologie folgen. Ganz im Gegenteil lehnen sie starre Konzepte und Ideologien in jeglicher Form entschieden ab.

Die Kunst zur damaligen Zeit ist etwas, das für Museen bestimmt ist und dort ausgestellt werden soll. Die Dadaisten brechen mit dieser Tradition. Sie wollen das Publikum einbeziehen und aktiv an ihrer Kunst beteiligen. Dazu organisieren sie beispielsweise Ausstellungen und fordern die Besucher dazu auf, die ausgestellten Arbeiten zu zerstören. Auch das ist eine Ausdrucksform der Dadaisten für ihren Protest gegen den traditionellen Umgang mit Kunstwerken. Am Ende geht der Plan aber nicht auf. Denn heute hängen dadaistische Kunstwerke ebenso in Museen wie Arbeiten anderer Kunststile.

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