Kunststile der Moderne: der Jugendstil

Kunststile der Moderne: der Jugendstil

Arbeiten der Modernen Kunst möchten die Ideen und Regeln der Tradition durchbrechen. Sie zielen nicht darauf ab, den Geschmack der Masse und der etablierten Kunstszene zu treffen. Stattdessen wollen sie neue Wege gehen, um Neues, Modernes, Originelles und Eigenes zu schaffen.

Dabei basiert jeder Kunststil der Moderne auf ihm eigenen Grundideen und Philosophien. Um die Motive und die Moderne Kunst als solches zu verstehen, muss der jeweilige Kunststil im Zusammenhang mit der Zeit gesehen werden, in der er entstanden ist.

Eine Kunstbewegung der Moderne ist der Jugendstil.

Und um diese Kunstrichtung soll es im Folgenden gehen:

 

Der Jugendstil in Kürze

Seine Blüte erlebt der Jugendstil zwischen etwa 1890 und 1910. Unter dem Namen Jugendstil wird die neue Kunstbewegung aber in erster Linie in Deutschland bekannt. Die Münchener Kunstzeitschrift „Die Jugend“ ist hier der Namensgeber. Außerhalb Deutschlands verbreitet sich der Kunststil als Art Nouveau. Zu seiner Zeit gilt der Jugendstil als ein junger, moderner und origineller Kunststil.

Inspiriert wird der Jugendstil unter anderem von der englischen Bewegung Arts and Craft. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielt die Industrialisierung eine immer größere Rolle. Die Massenproduktion beginnt und drängt die handwerkliche Tradition zunehmend in den Hintergrund. Als Antwort darauf macht sich Arts and Craft zum Ziel, die kunsthandwerkliche Tradition am Leben zu halten. Der Jugendstil greift diesen Ansatz auf.

 

Die Idee des Jugendstils

Die Künstler des Jugendstils möchten der Kunst einen Raum im alltäglichen Leben schaffen. Die Kunst und die Ästhetik sollen im Alltag präsent sein, die Kunst und das Handwerk sollen zu einer Einheit verschmelzen. Dabei soll das Handwerk funktional sein und gleichzeitig den ästhetischen Ansprüchen an ein Kunstwerk genügen. Die Jugendstilkünstler machen es sich zur Aufgabe, Kunsthandwerke zu schaffen, die sowohl dem Künstler als auch dem Nutzer Freude bereiten.

Seinen Ausdruck findet der Jugendstil in der Architektur und der Bildenden Kunst, im Möbeldesign und in Schmuck, aber auch in Alltagsgegenständen wie Glaswaren und Geschirr. Zu den charakteristischen Merkmalen der Arbeiten im Jugendstil gehören

  • fließende und dekorative Linien,
  • florale Ornamente,
  • weiche geometrische Formen und
  • Tiere als symbolische Gestalten.

Dabei dient die Natur den Künstlern des Jugendstils als Vorbild und Stilmittel. Sie ahmen die Natur nach und entwickeln so weiche Formen, fließende Linien und schmückende Ornamente. Zusätzlich dazu stellen sie Tiere wie Adler, Eulen oder Löwen als Symbole für bestimmte Tugenden oder Ziele dar.

Seine größte Bedeutung erlangt der Jugendstil in der Malerei. Viele Jugendstilkünstler schaffen nicht nur Bilder, Grafiken und Plakate, sondern widmen sich auch der Buch- und der Textilmalerei. Dabei lassen sie sich zwar von vergangenen Kunstepochen inspirieren, möchte diese aber nicht nachahmen. Die Künstler des Jugendstils haben vielmehr den Anspruch, einzigartige Kunstwerke zu schaffen, die dem aktuellen Zeitgeist gerecht werden. Dies ist zugleich ein entscheidender Unterschied zwischen dem Jugendstil und dem Historismus, der das Kunstgeschehen zeitgleich mit dem Jugendstil beeinflusst.

 

Sezessionen und bedeutende Künstler des Jugendstils

Innerhalb des Jugendstils bilden sich verschiedene Gruppierungen. Diese Gruppierungen werden auch Sezessionen genannt. Eine Sezession ist eine Gruppe von Künstlern, die eine Kunstrichtung als ihr künstlerisches Ausdrucksfeld wählen und sich gleichzeitig von anderen Kunstrichtungen und herrschenden Kunsttheorien abgrenzen.

Die Sezessionen des Jugendstils verstehen sich dabei hauptsächlich als Gegenbewegung zum oberflächlichen und traditionellen Historismus.

Die bedeutendste Gruppierung innerhalb des Jugendstils ist die Wiener Sezession. Unter der Führung von Gustav Klimt gehören ihr Künstler wie Josef Hoffmann, Joseph M. Olbrich, Koloman Moser und Max Kurzweil an. Eine andere wichtige Gruppierung ist die Berliner Sezession.

In ihren Reihen finden sich Künstler wie Max Beckmann, Lovis Corinth, Max Liebermann, Ernst L. Kirchner, Erich Heckel, Max Pechstein, Edvard Munch und Emil Nolde. In München wiederum schließen sich zahlreiche Künstler zur Münchener Sezession zusammen. Darunter sind beispielsweise Hugo von Habermann, Franz von Stuck, Heinrich Zügel, Peter Behrens und Adolf Hölzel.

 

Das Zeitgeschehen während des Jugendstils

In Europa setzt sich mit Beginn des 20. Jahrhunderts die Industrialisierung zunehmend durch. Immer mehr Menschen ziehen von den Dörfern in die Städte, um in Fabriken zu arbeiten und so ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Kostengünstige Produkte aus der Massenproduktion überschwemmen den Markt.

Viele traditionelle Handwerker geraten dadurch in existentielle Schwierigkeiten. Denn sie können mit den Preisen der industriell gefertigten Produkte nicht mithalten. Andersherum können sich die Fabrikarbeiter und weite Teile der Bevölkerung die handwerklich hergestellten Waren nicht leisten.

Eine weitere Folge der Industrialisierung ist, dass der Mensch an Bedeutung verliert. Im wirtschaftlichen Alltag ist er kleiner Teil eines großen Prozesses. Für eigene Ideen, Eigenheiten und Sonderbarkeiten bleibt da kein Raum. Am Fließband kann der Arbeiter keine originellen Einzelstücke fertigen. Umso wichtiger ist es für die Künstler seinerzeit, ihre Individualität zu erhalten. Gleichzeitig wollen sie Neues, Originelles und Besonderes zu schaffen.

Deshalb versteht sich der Jugendstil auch als Antwort auf den Historismus, der die traditionelle Kunst vergangener Epochen aufgreift. Die Künstler des Jugendstils halten Strömungen wie den Neobarock oder die Neugotik für nicht zeitgemäß. Sie lassen sich stattdessen von der Natur und von Symbolen inspirieren, um ihren Ideen Ausdruck zu verleihen.

Ähnlich wie später die Vertreter der Bauhausschule wollen die Jugendstilkünstler die Kunst mit dem Handwerk vereinen. Jeder soll die Möglichkeit haben, schöne und ästhetische Kunstwerke in seinen Alltag zu integrieren. Doch trotz der Ausrichtung auf Ästhetik soll die Funktionalität nicht zu kurz kommen. Vielmehr begründet die Idee des Jugendstils einen neuen Schaffensprozess, der Schönheit und Funktion miteinander verbindet.

Sichtbar wird dies beispielsweise in der Architektur: Jugendstilgebäude lösen sich von den althergebrachten Formen und passen die Räume an die aktuellen Vorstellungen und Bedürfnisse an. Leicht gebogene Wände, kleine Türme, Erker oder dekorative Ornamente sorgen für die ästhetische Note.

Verglichen mit anderen Kunstbewegungen, hielt der Jugendstil nur recht kurz an und seine Verbreitung war ziemlich gering. Trotzdem spielt er aus kunstgeschichtlicher Sicht eine wichtige Rolle. Denn der Jugendstil ist das Verbindungsglied zwischen dem traditionellen Historismus und der Kunst der Moderne. Mit dem Ersten Weltkrieg endet die Ära des Jugendstils.

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