10 Tipps für den Besuch einer Vernissage, Teil 1

10 Tipps für den Besuch einer Vernissage, Teil 1

Die Einladung zur Eröffnung einer Ausstellung löst oft gemischte Gefühle aus: Einerseits fühlt sich der Eingeladene geehrt und freut sich darüber, dass ihn der Künstler bei diesem wichtigen Ereignis offensichtlich dabeihaben möchte.

Andererseits macht sich Unsicherheit darüber breit, wie sich der Eingeladene inmitten der teils doch etwas seltsamen Kunstwerke und zwischen den vielen Menschen mit den ziemlich wichtigen Gesichtsausdrücken verhalten soll.

Aber keine Sorge, so kompliziert ist es gar nicht. Wir haben zehn Tipps für den Besuch einer Vernissage zusammengestellt.

Hier ist Teil 1!

 

Tipp 1: Das Outfit nicht überbewerten.

Was die Kleidung für den Besuch einer Vernissage angeht, hält sich schon seit einer gefühlten Ewigkeit das Gerücht, die Besucher müssten sich besonders chic anziehen. Vor allem die Farbe Schwarz ist hier ganz klar vorne. Ein Kleid oder ein Anzug in edlem Schwarz oder zumindest in einer anderen dunklen, gedeckten Farbe gehöre einfach zum guten Ton. Das Ergebnis ist, dass das Publikum bei einer Vernissage weniger an eine Kunstausstellung als vielmehr an eine Trauerfeier erinnert.

Es wird also Zeit, endlich mit diesem Gerücht aufzuräumen. Tatsächlich ist es nämlich so: Der erfahrene Vernissage-Besucher ist daran zu erkennen, dass er sich entweder gar keine großartigen Gedanken über sein Outfit gemacht hat oder ganz bewusst auffallen will.

Ein wild gemustertes Hemd zu einer lässigen Schlabberhose oder ein helles Kleid, das an den letzten Sommerurlaub erinnert, passen aber auch einfach viel besser zur modernen, zeitgenössischen Kunst als ein schwarzes Abendoutfit. Das Outfit muss dem Besucher also kein Kopfzerbrechen bereiten. Denn bei einer Vernissage gilt letztlich wie immer in der Kunst: Erlaubt ist, was gefällt.

 

Tipp 2: Keinen Kunstkenner als Begleitung mitnehmen.

Vor allem wenn der Besucher unsicher ist, fragt er gerne einen kunstversierten Bekannten, ob ihn dieser nicht zur Vernissage begleiten möchte. Und der vermeintliche Kunstexperte wird oft spätestens auf dem Weg zur Kunstausstellung damit beginnen, über die Kunststile der Moderne zu philosophieren und die Arbeiten des ausstellenden Künstlers unter kunstwissenschaftlichen Aspekten zu beleuchten. Schließlich wollte der Besucher seinen Bekannten ja gerade deswegen als Begleitung haben, damit dieser als Kunstkenner dabei helfen kann, die Wissenslücken des Besuchers zu schließen.

Wenn der Bekannte wirklich Ahnung hat, kann das Wissen für den Besucher natürlich nützlich sein. Ob der Vernissage-Besuch dann aber noch Spaß macht, ist fraglich. Denn möchte der Besucher wirklich ein wandelndes Lexikon neben sich haben?

Oder möchte er die Ausstellung nicht viel lieber einfach nur genießen, die Atmosphäre auf sich wirken lassen und die Kunstwerke ganz unvoreingenommen und durch die Brille eines interessierten, begeisterungsfähigen Laien betrachten? Nichts gegen Kunstexperten. Aber wenn der Besucher ein paar entspannte Stunden erleben möchte, ist er mit einer ähnlich ahnungslosen Begleitung oft besser beraten.

 

Tipp 3: Nicht lachen und wichtig gucken.

Eine Vernissage kann maßgeblichen Einfluss auf die Zukunft des Künstlers haben. Immerhin entscheidet sich hier live und in Farbe, wie die Arbeiten beim Publikum ankommen. Die Vernissage kann darüber bestimmen, ob dem Künstler endlich der langersehnte Durchbruch gelingt und er fortan in der Kunstszene als das neue Super-Nachwuchstalent gefeiert wird.

Außerdem zeigt sich bei und nach der Vernissage, ob der bis dahin eher unbekannte Künstler seine Bilder künftig für sehr viel Geld verkaufen kann. Oder ob er auch weiterhin auf sein Umfeld und Nebenjobs angewiesen sein wird, um Farben, Pinsel, Leinwände und den Lebensunterhalt zu finanzieren. Verständlich also, dass eine Vernissage angesichts dieser Tragweite kein Ort für ausgelassene Heiterkeit ist.

Generell kommt bei einer Vernissage ein wichtiger und skeptischer Gesichtsausdruck besser an als ein freundliches Lächeln. Es muss zwar nicht gleich eine todernste Miene sein. Aber nachdenklich und gelehrig darf der Besucher ruhig dreinblicken. Besonders professionell wirkt der Auftritt, wenn sich der Besucher vor ein Gemälde stellt, den Kopf leicht schief hält, die Augen ein wenig zusammenkneift und gelegentlich den Kopf schüttelt. Das mag zwar etwas albern erscheinen. Aber bei einer Vernissage wird Zurückhaltung und Respekt vor den Arbeiten erwartet.

 

Tipp 4: Niemals über die Bilder sprechen.

Baut sich der Besucher fröhlich vor einem Bild auf und erklärt er seiner Begleitung mit lauter Stimme und markanten Gesten, was er da sieht, outet er sich ziemlich offensichtlich als unerfahrener Vernissage-Neuling. Denn bei einer Vernissage wird nicht über die Bilder gesprochen. Kein Profi käme auf die Idee, ewig vor jedem Kunstobjekt stehenzubleiben und sich dazu zu äußern.

Alte Hasen nehmen die Arbeiten kurz zur Kenntnis, um sich anschließend über das Gesamtwerk des Künstlers auszutauschen. Und dabei fallen dann so schlaue Sätze wie: „Diese Mischung aus sanfter, leichter Pinselführung und kraftvollen, schweren Farben ist wirklich einzigartig.“ Oder: “Derart große, laute Themen auf eine Darstellung in so leisen Tönen herunterzubrechen, macht dem Künstler XY so schnell keiner nach.“

Hat der Besucher keine derart hochtrabenden Geistesblitze parat, kann er einfach auf allgemeine Themen ausweichen. Das Wetter, die Räumlichkeiten oder die Anreise zur Galerie bieten unverfänglichen Gesprächsstoff, der immer irgendwie passt. Nur über die einzelnen Bilder sollte sich der Besucher eben nicht unterhalten.

 

Tipp 5: Den Künstler kaum beachten.

Bei der Vernissage wird der Künstler in den meisten Fällen anwesend sein. Immerhin sind es ja seine Arbeiten, die da gezeigt werden. Und für den Besucher, der den Künstler vielleicht nicht oder jedenfalls nicht persönlich kennt, ist es schön zu sehen, wer hinter den Kunstwerken steckt. Aber: Allzu viel Aufmerksamkeit sollte der Besucher dem Künstler nicht schenken. Nicht er ist der Star. Im Mittelpunkt stehen vielmehr seine Arbeiten.

Ein erfahrener Vernissage-Besucher wird sich deshalb nicht großartig mit dem Künstler auseinandersetzen, sondern sich den Kunstwerken widmen. Dafür ist er schließlich da. Und auf gar keinen Fall würde ein Vernissage-Profi den Künstler auf die ausgestellten Arbeiten ansprechen.

Der Künstler möchte seine Bilder nicht erklären und er will auch nicht unbedingt hören, wie der Betrachter die Gemälde interpretiert. Der Künstler will, dass seine Arbeiten für sich wirken. Und das ohne viel Text drum herum.

Mehr Ratgeber, Anleitungen, Kunst und Tipps:

Thema: 10 Tipps für den Besuch einer Vernissage, Teil 1

Teilen:
This entry was posted in News.

Kommentar verfassen