Farbkontraste Teil I

Farbkontraste Teil I

Neben dem Motiv, dem Format und ein paar anderen Faktoren spielt das Farbkonzept eine entscheidende Rolle, wenn es um die Wirkung eines Bildes geht. So ist der optische Effekt bei einem Bild in Schwarz-Weiß-Tönen völlig anders als bei einem Bild in vielen bunten Farben, selbst wenn beide Bilder ein identisches Bildmotiv zeigen.

Die Farben untereinander wiederum beeinflussen sich gegenseitig und auch die Umgebung nimmt Einfluss auf die Farbwirkung. Diese Wechselwirkungen werden als Kontraste bezeichnet. Dabei gibt es acht verschiedene Kontraste, die voneinander unterschieden werden. In einer zweiteiligen Reihe soll es um diese Farbkontraste gehen.

Teil I der Reihe erklärt, was sich konkret hinter Kontrasten verbirgt, und stellt mit dem Farbe-an-sich-, dem Hell-Dunkel- und dem Kalt-Warm-Kontrast die drei ersten Farbkontrasttypen vor:

Die Entstehung von Farbkontrasten

Ein Farbkontrast liegt immer dann vor, wenn mindestens zwei verschiedene Farbtöne, die nebeneinander liegen oder miteinander verglichen werden, einen sichtbaren Unterschied aufweisen. Dieser Unterschied kann nur minimal ausfallen oder auch sehr deutlich hervortreten. Dementsprechend wird dann von einem schwachen oder einem starken Kontrast gesprochen. Dabei sind im Wesentlichen drei Faktoren dafür verantwortlich, wie eine Farbe wahrgenommen wird, nämlich

  1. der Farbton,
  2. die Helligkeit und
  3. die Sättigung.

 

 

Alle Farbkontraste gehen auf diese Faktoren zurück. Je nach Kontrast kommen ein, zwei oder alle drei Faktoren zum Tragen, wobei aber immer ein Faktor die größte Rolle spielt. Das menschliche Auge nimmt Kontraste wahr, indem es die Farben erkennt und zu den Farben in der unmittelbaren Umgebung in Beziehung setzt.

In diesem Zuge gleicht es Ähnlichkeiten an, während es Unterschiede verstärkt. Aus diesem Grund erscheint der Farbunterschied zwischen beispielsweise einer roten und einer orangenfarbenen Fläche auch weniger stark als der Kontrast zwischen einer roten und einer weißen Fläche. Mit Blick auf die Malerei ist aber wichtig zu wissen, dass bei fast allen Farbkombinationen zwei oder mehr Farbkontraste zusammenspielen.

 

Farbordnungssysteme als Basis für Farbkontraste

Die Bemühungen, Farbeindrücke systematisch zu ordnen, haben im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Farbordnungsmodelle hervorgebracht. Im Zusammenhang mit Farbkontrasten sind hauptsächlich die Systeme von Goethe und Itten von Bedeutung.

Konkret geht es um den sogenannten Farbkreis. Der Farbkreis stellt die Farben, die sich im Spektrum des sichtbaren Lichtes befinden, dar. Dabei sind die vielen verschiedenen Farbtöne und Nuancen jeweils zu ihrer Grundfarbe zusammengefasst und entsprechend ihrer Wellenlänge angeordnet.

Die einfachste Variante ist der sechsteilige Farbkreis, der die sechs Farben Rot, Grün, Blau, Cyan, Magenta und Gelb enthält. Die Farben, die sich im Kreis jeweils gegenüberliegen, werden als Komplementärfarben bezeichnet. Anstelle von Komplementärfarben wird auch von Ergänzungsfarben gesprochen. Der Grund hierfür ist, dass der Farbkreis die Systematik der Farbmischung beschreibt. Dabei kann es sich entweder um die subtraktive oder die additive Farbmischung handeln.

  • Stellt der Farbkreis die Systematik der subtraktiven Farbmischung dar, bilden Cyan, Magenta und Gelb die Grundfarben. Ihnen liegen ihre Komplementärfarben Rot, Grün und Blau gegenüber. Die Farbenpaare Cyan – Rot, Magenta – Grün und Gelb – Blau ergänzen sich gegenseitig zur Farbe Schwarz. Schwarz ist dadurch eine Tertiärfarbe. Die Komplementärfarben wiederum sind gleichzeitig die Sekundärfarben der jeweiligen Farbmischung.
  • Der Farbkreis als Beschreibung der additiven Farbmischung basiert auf dem gleichen Prinzip wie bei der subtraktiven Farbmischung. Allerdings sind in diesem Farbkreis die Farben Rot, Grün und Blau die Grundfarben. Ihnen liegen Cyan, Magenta und Gelb in der Funktion als Komplementärfarben gegenüber. Die Ergänzung von einer Grundfarbe mit ihrer Komplementärfarbe führt bei der additiven Farbmischung zu Weiß als Tertiärfarbe.

    Eine etwas umfangreichere Variante des Farbkreises ist der zwölfteilige Farbkreis. Der zwölfteilige Farbkreis nutzt die gleiche Systematik wie der sechsteilige Farbkreis, ergänzt die sechs Grundfarben aber um sechs Zwischentöne. Grundsätzlich kann ein Farbkreis auch um noch mehr Farben erweitert werden. Zudem ist möglich, das Farbordnungssystem statt in einem Kreis in Form eines Quadrats oder eines Dreiecks darzustellen. Letzteres ist unter anderem im Bereich der Farbmetrik üblich.

     

    Der Farbe-an-sich-Kontrast

    Der Farbe-an-sich-Kontrast, der auch Farbton-Kontrast genannt wird, ist die einfachste Variante aller Farbkontraste. Er tritt automatisch immer dann auf, wenn zwei oder mehr Farben in klaren, deutlich unterscheidbaren Tönen zusammenkommen.

  • Die stärkste Ausprägung des Farbe-an-sich-Kontrastes entsteht, wenn die drei Grundfarben Gelb, Rot und Blau aufeinandertreffen. Werden die drei Farbflächen hingegen durch einen Rahmen aus schwarzen oder weißen Linien voneinander getrennt, verliert der Farbkontrast an Kraft. Dafür erhöht sich die Wirkung der einzelnen Farben und sie erscheinen wieder intensiver und bunter.

    Bilder, die bewusst den Farbe-an-sich-Kontrast nutzen, sehen meist bunt und kraftvoll aus. Sie wirken laut, entschieden und springen dem Betrachter ins Auge. Gleichzeitig vermitteln sie Lebendigkeit, Fröhlichkeit und Freundlichkeit. Der Farbe-an-sich-Kontrast ist in der klassischen Malerei und in der Buchmalerei des Mittelalters ebenso zu finden wie in der modernen Kunst. Auch auf Veranstaltungsplakaten, im Zirkus und im Karneval wird gerne mit diesem Farbkontrast gearbeitet.

     

    Der Hell-Dunkel-Kontrast

    Der Hell-Dunkel-Kontrast entsteht, wenn zwei unterschiedlich helle Farben aufeinandertreffen. Er kann sowohl mit den bunten Farben als auch mit den unbunten Farben Schwarz, Weiß und Grau angelegt werden. In der Kunst kommt der Hell-Dunkel-Kontrast an vielen Stellen zum Einsatz. So führt ein gar nicht oder nur sehr schwach ausgeprägter Hell-Dunkel-Kontrast dazu, dass sich die Farben auf einer Ebene befinden.

  • Im Unterschied dazu lässt ein ausgeprägter Hell-Dunkel-Kontrast den Eindruck von Plastizität entstehen, denn helle Farben treten in den Vordergrund, während dunkle Farben eher in den Hintergrund rücken. Außerdem hilft der Hell-Dunkel-Kontrast bei einer klaren Trennung von Lichtern und Schatten. Dies verleiht dem Bild einerseits Räumlichkeit und Tiefe und führt andererseits dazu, dass die Konturen deutlicher erkennbar werden.
  • Auch die Form und die Größe einer Farbfläche lassen sich durch die Helligkeit optisch beeinflussen. So wirkt eine Fläche in einer hellen Farbe größer als eine Fläche, die exakt dieselbe Größe und Form hat, aber in einer dunklen Farbe gestaltet ist. Ein Bildelement in einer hellen Farbe erweckt zudem den Eindruck, leichter zu sein, während das identische Bildelement in einer dunklen Farbe schwerer zu sein scheint.

    Insgesamt sorgt der Hell-Dunkel-Kontrast in einem Bild für Lebendigkeit, Ausdrucksstärke, Dreidimensionalität und Spannung. Möchte der Maler mit dem Hell-Dunkel-Kontrast spielen, sollte er aber das Verhältnis zwischen den hellen und dunklen Farbanteilen bei seiner Farbkomposition im Auge behalten. Dafür wurden den Farbhelligkeiten bestimmte Werte zugeordnet. So hat beispielsweise Gelb den Wert 9 und Orange den Wert 8. Rot und Grün wurde die Zahl 6 zugeordnet, der Wert von Blau beträgt 4 und Violett hat den Wert 3.

  • Damit sich eine ausgewogene und harmonische Farbkomposition ergibt, sollte das Verhältnis zwischen den Farbanteilen dem umgekehrten Verhältnis ihrer Helligkeitswerte entsprechen. Hierzu ein Beispiel: Blau hat den Helligkeitswert 4 und Rot den Helligkeitswert 6. Die Helligkeiten von Blau und Rot verhalten sich also wie 4 zu 6. Folglich sollte das Verhältnis der Farbanteile bei 6 zu 4 liegen, im Bild sollte somit ein Drittel mehr Blau auftauchen als Rot. Dadurch ist sichergestellt, dass die Leuchtwirkung der Blautöne mit der Leuchtwirkung der Rottöne mithalten kann. Das Gegenstück zu diesem harmonischen Mengenkontrast ist der exzessive Mengenkontrast. Er entsteht, wenn die Mengenverhältnisse massiv voneinander abweichen.

     

    Der Kalt-Warm-Kontrast

    Der Kalt-Warm-Kontrast entfaltet seine Wirkung daraus, dass einige Farben als warm und andere Farben als kalt empfunden werden. Im Farbkreis sind die sogenannten kalten Farben, die die Palette von Blauviolett bis Gelbgrün abdecken, in der rechten Hälfte angeordnet. Die sogenannten warmen Farben von Gelb über Orange und Rot bis Rotviolett bilden die linke Hälfte des Farbkreises.

  • Vor allem bei Landschaftsbildern spielt der Kalt-Warm-Kontrast eine sehr große Rolle. Er ist nämlich ein wichtiges Mittel, um einen räumlichen Eindruck zu vermitteln. Dabei gilt, dass ein Bildelement umso weiter entfernt zu sein scheint, je blaustichiger und kälter seine Farbe ist. Im Gegensatz dazu scheinen Bildelemente, die in warmen Farben angelegt sind, näher und weiter im Vordergrund zu liegen.

Der Warm-Kalt-Kontrast spricht die subjektive Wahrnehmung und die emotionale Ebene an. Die Wissenschaft vermutet, dass sich das menschliche Farbempfinden aus grundlegenden Erfahrungen heraus entwickelt hat. Dies hat dazu geführt, dass beispielsweise Blau mit kaltem Wasser, Weiß mit Eis und Schnee oder Silber mit kühlem Metall in Verbindung gebracht werden. Bei Rot hingegen denken viele an warmes Feuer, bei Gelb oder Gold an die Wärme der Sonne. Der Kalt-Warm-Kontrast greift genau diese Assoziationen auf und setzt sie künstlerisch um.

Mehr Tipps, Kunst und unser Shop:

Thema: Farbkontraste Teil I

 

Teilen:
This entry was posted in News.

Kommentar verfassen