Was ist die klassische Moderne?

Was ist die klassische Moderne?

Wer sich für moderne Kunst interessiert, wird früher oder später auf den Begriff Klassische Moderne treffen. Dabei handelt es sich bei der klassischen Moderne aber nicht um eine bestimmte Kunstrichtung. Der Begriff steht vielmehr für verschiedene Stilrichtungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In der Bildenden Kunst steht die klassische Moderne konkret für die abendländische Kunst zwischen 1900 und 1945.

Was ist die klassische Moderne

Was ist die klassische Moderne?

Aus kunstgeschichtlicher Sicht beschreibt die klassische Moderne die Zeit, die sich im ausgehenden 19. Jahrhundert direkt an die Neuzeit anschließt und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs andauert. Sie endet 1945 vor dem Beginn der Postmoderne.

Dabei gehört diese Epoche zu den spannendsten Phasen der Kunstgeschichte. Denn es entwickelten sich zahlreiche Kunststile und -richtungen, die alle unter dem Begriff der klassischen Moderne zusammengefasst werden.

Die große Gemeinsamkeit der Kunststile besteht darin, dass sie sich von den bislang üblichen, formalen Prinzipien der Malerei abwenden. Dinge wie die Perspektive, die Proportionslehre oder auch die Abbildung von bildlichen Motiven rücken in den Hintergrund.

Anders als bisher in der akademischen Malerei wollen die Künstler die Natur in ihren Bildern nicht mehr nachahmen, sondern eine neue Wahrheit dahinter ergründen.

Doch auch wenn die Künstler das bislang geltende Kunstverständnis in Frage stellen und sich von der gegenständlichen Malerei abkehren, entstehen sehr unterschiedliche Stile.

Daher hält die klassische Moderne eine bunte Vielfalt an verschiedensten Arbeiten bereit. Die bedeutendsten Kunstrichtungen der klassischen Moderne, die bis heute die Grundlage für die Arbeit vieler zeitgenössischer Künstler bilden, sind folgende:

Expressionismus (1900 bis 1920)

Der Expressionismus versteht sich als Gegenbewegung zum Realismus und zum Impressionismus. Er knüpft an den Symbolismus an und führt die Idee von Van Gogh und Gaugin weiter, die Malerei von der reinen Nachahmung zu lösen. Dafür arbeitet er mit überspitzen Formen und kräftigen Farben.

Expression steht für Ausdruck und soll das Bedürfnis der Künstler verdeutlichen, subjektive Ansichten, Empfindungen, Wahrnehmungen und Stimmungen nach außen hin darzustellen.

Deshalb wird das Bildmotiv nicht nur interpretiert, sondern mit weiteren Informationen angereichert. Vorbilder finden die Künstler einerseits in der ausdrucksstarken Kunst aus Afrika und Ozeanien. Andererseits lassen sie sich aber auch von den teils naiven Bildern von Kindern und Geisteskranken inspirieren.

Charakteristisch für den Expressionismus sind einfach und spontan ausgeführte Arbeiten, die von groben Formen, satten und kontrastreichen Farben, teils markanten Konturen und verschobenen Proportionen leben.

Dargestellt werden Erlebnisse und Momentaufnahmen mit persönlicher, leidenschaftlicher Note. Dabei kennt der Expressionismus Portraits und Stillleben ebenso wie Landschaftsbilder.

Berühmte Vertreter sind unter anderem Henri Matisse, Marc Chagall, August Macke, Edvard Munch, Ernst Ludwig Kirchner und Franz Marc. Dazu kommen die Fauves, Die Brücke und der Blaue Reiter als bedeutende Künstlergemeinschaften.

Kubismus (1906 bis 1918)

Der Name Kubismus geht auf cubus für Würfel zurück. Der Kunststil setzt Cézannes Ansatz fort, die Gegenstände auf ihre Ausgangsformen wie Würfel, Kugeln oder Kegel zu reduzieren und gleichzeitig die Zentralperspektive zu überwinden.

In der ersten Phase versucht der Kubismus den kompletten Raum zu erfassen, indem er den Standort verändert. In der weiteren Entwicklung löst der Kubismus den Raum scheinbar immer weiter auf, bis er diesen in der zweiten Phase wieder zusammenfügt.

Die erste Phase wird auch analytischer Kubismus genannt. Hier ist die Form wichtiger als die Farbe, weshalb sich die Farbtöne oft in einem Bereich zwischen Braun und Grau bewegen. In einem Bild werden verschiedene Ansichten des Motivs dargestellt und zu besseren Erfassung entweder abstrahiert oder auf geometrische Formen heruntergebrochen.

In der zweiten Phase, dem synthetischen Kubismus, verschmelzen das Motiv und der Hintergrund miteinander. Im Mittelpunkt steht der Rhythmus, der auf der Bildfläche entsteht. Sehr abstrakte Motive werden durch simple Gegenstände wieder erkennbar gemacht, wobei die Gegenstände teilsweise direkt auf die Bildfläche aufgeklebt werden.

Im Kubismus entstehen in erster Linie Stillleben, Portraits und Akte, seltener Landschaftsbilder. Prominente Vertreter sind Pablo Picasso, Georges Braque und Juan Gris.

Futurismus (1909 bis 1915)

Als poltisch-künstlerische Bewegung geht der Futurismus von Italien aus. Der Kunststil verherrlicht den Fortschritt, die Technik, moderne Maschinen und die Geschwindigkeit.

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Beeinflusst von der Bewegungsfotografie und teils angelehnt an die Gestaltungsmittel des Kubismus, erfindet der Futurismus neue Möglichkeiten, um Tempo und Bewegung künstlerisch abzubilden.

Die Bilder zeigen vorrangig Bewegungen in der Stadt, den Verkehr, Maschinen, technische Konstruktionen und Interpretationen von Geschwindigkeit. Dazu arbeiten sie gerne mit einzelnen Elementen, die sich mehrfach wiederholen oder überlagern. Namhafte Künstler sind Umberto Boccioni, Giacomo Balla und Anton Bragaglia.

Konstruktivismus (1913 bis 1933)

Der Begriff Konstruktivismus steht einerseits für einen Kunststil, der von geometrischen und nicht figurativen Formen geprägt ist. Andererseits fasst der Begriff mehrere Kunstrichtungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts zusammen, die ihre Wurzeln im Suprematismus, in den Arbeiten der Künstlergemeinschaft De Stijl und der Kunstschule am Bauhaus haben.

Inhaltlich beschäftigt sich der Konstruktivismus mit abstrakt-geometrischen und typographischen Formen. Er arbeitet bevorzugt mit Geraden, Rechtecken, Dreiecken und Kreisen. Die Komposition ist das zentrale Gestaltungsmittel, die Farbigkeit ist teils sehr reduziert.

Zu den bekanntesten Vertretern des Konstruktivismus gehören Kasimir Malewitsch, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Piet Mondrian und Oskar Schlemmer.

Dadaismus (1915 bis 1922)

Der Dadaismus ist eine internationale Protestbewegung. Er möchte eine sinnlose, paradoxe und banale Antikunst sein, um so den Werten, die im Ersten Weltkrieg verloren gegangen sind, und dem bürgerlichen Kunstgeschmack eine Antwort entgegenzusetzen.

Der Zufall wird das wichtigste Element der künstlerisch-gestalterischen Arbeit. Die Bilder zeigen Portraits, Figuren und abstrakte Objekte in ungewöhnlichen Formen.

Die Zusammenstellungen der Bildmotive werden dem Zufall überlassen. Dabei arbeiten die Künstler nicht nur mit Pinsel und Farbe, sondern binden auch Ausschnitte aus Zeitschriften ein oder erstellen Materialcollagen.

Kurt Schwitters, Marcel Duchamp, Raoul Hausmann, Hannah Höch, Max Ernst und die Züricher Künstlergruppe Cabaret Voltaire sind einige namhafte Vertreter.

Surrealismus (ab etwa 1924)

Der Surrealismus geht aus der Bewegung des Dada hervor und nutzt die Theorien des Psychoanalytikers Sigmund Freud. Träume, Wahnvorstellungen, Assoziationen und auch scheinbar sinnlose Gedanken werden malerisch umgesetzt.

Die Künstler stellen Situationen und Gegenstände in einer neuen Form zusammen, um so auch eine neue Wahrnehmung zu erreichen.

Der Surrealismus zeigt Pseudo-Realitäten und gegenständliche Motive. Technisch raffiniert umgesetzt, schafft er durch die Perspektiven und die Farben eine große Nähe zur Wirklichkeit.

Gleichzeitig zeigt er Menschen, Tiere und Dinge aber deformiert oder abstrahiert. Berühmte Künstler dieses Stils sind Salvador Dali, Max Ernst, Joan Miro und Rene Magritte.

Neue Sachlichkeit (1920 bis 1933)

Nach einer Zeit, in der die Künstler bevorzugt abstrakt malen, beginnt mit der Neuen Sachlichkeit eine Phase, in der wieder realistisch und gegenständlich gearbeitet wird. Der Begriff steht in der Malerei für Arbeiten, die sich weder dem Expressionismus noch dem Konstruktivismus oder dem Surrealismus zuordnen lassen.

Die Themen der Bilder sind Sozialkritik an der Kriegs- und Nachkriegszeit, aber auch Strassen, Wohnungen, arbeitende Menschen oder Szenen aus dem alltäglichen Leben. Satiren und Karikaturen kommen ebenfalls vor.

Künstler wie Otto Dix, George Grosz oder Käthe Kollwitz malen realistisch und sachlich. Durch das Spiel mit den Proportionen wirken die Motive aber mitunter grob oder grotesk.

Kunst während des Nationalsozialismus (1933 bis 1945)

Die Nationalsozialisten zensieren und verfolgen Kunst, die experimentierfreudig und avantgardistisch ist. Sie sprechen von entarteter Kunst und verhöhnen sie in einer gleichnamigen Wanderausstellung. Gleichzeitig soll so die eigene Vorstellung von Kunst gestärkt werden.

Die nationalsozialistische Kunst bildet vorwiegend politische Ideale ab. Dazu gehören Portraits von Politikern, Helden und Kämpfern, militärische Darstellungen und auch Szenen aus einem scheinbar romantischen Arbeiteralltag.

Die Bilder sind realistisch gemalt, von Idealen geprägt und von einer konservativen Ästhetik bestimmt. Oskar Martin-Amorbach, Arthur Kampf und Adolf Ziegler sind namhafte Vertreter.

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Ferya Gülcan, Künstlername "Feryal" Kunstmalerin und Fotografin, Norbert Sachmann, Galerist, Christian Gülcan (RZA) Kunstmaler und Inhaber diverser Kunstportale schreiben hier Wissenswertes zur internationalen Kunst, Galerien, Maltechniken und Kunstgeschichte.

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