Risse in der Acrylmalerei anlegen – so geht’s

Risse in der Acrylmalerei anlegen – so geht’s

Ein großer Pluspunkt von Acrylfarben ist, dass der Künstler auch bei sehr dicken Farbschichten keine Risse befürchten muss. Andersherum heißt das aber auch, dass er eine besondere Vorgehensweise anwenden muss, wenn er seinem Acrylbild eine antike, morsche Note verleihen will.

Und wie es möglich ist, Risse in der Acrylmalerei anzulegen, erklärt dieser Beitrag.

Alte Ölgemälde sind oft mit einem maschenartigen Netz aus Rissen und feinen Sprüngen überzogen. Ein ähnliches Phänomen zeigt sich häufig auch auf Gegenständen aus Keramik und auf lackierten Holzmöbeln. Die Risse und Sprünge sind Altersspuren, die meist durch Feuchtigkeits- und Temperaturschwankungen hervorgerufen werden.

Dabei sorgt insbesondere die Luftfeuchtigkeit dafür, dass sich der Untergrund erst ausdehnt und dann wieder zusammenzieht. Die darüberliegenden Farbschichten reagieren jedoch nicht so stark auf die Feuchtigkeit und machen deshalb auch die Bewegungen des Untergrunds kaum mit. Im Ergebnis reißen die Farbschichten oder springen auf, mitunter platzen sie sogar ab.

Solche Risse und Sprünge können einerseits natürlich ärgerlich sein. Andererseits können sie einem Gemälde erst die richtige Optik verleihen. Denn durch die Risse kann ein Bild antik, morsch, verwittert und durchaus charaktervoll wirken. Arbeitet der Künstler mit Acrylfarben, muss er aber einen Trick anwenden, wenn er den Alterungseffekt künstlich erzeugen will. Immerhin gehört es zu den besonderen Pluspunkten von Acrylfarben, dass sie gerade nicht zur Rissbildung neigen.

Dabei kann der Künstler auf zwei verschiedene Methoden zurückgreifen, um Risse zu erzeugen.

Welche das sind und wie sie funktionieren, erklären die beiden folgenden Anleitungen.

 

  1. Risse in der Acrylmalerei anlegen – mit trockener Acrylfarbe

Damit eine Acrylfarbschicht aufreißt, muss eine Acrylfarbe mit einem geringen Bindemittelanteil über eine Acrylfarbe mit einem hohen Anteil an Bindemittel gelegt werden. Mit herkömmlichen Farben aus dem Künstlerbedarf klappt das Anlegen von Rissen allerdings nicht.

Denn die handelsüblichen Acrylfarben sind so eingestellt, dass sie sich auch dann rissfrei übereinander stapeln lassen, wenn sie in unterschiedlichen Konsistenzen vermalt werden. Würde der Künstler also eine Farbschicht aus stark verdünnter Acrylfarbe mit einer pastosen Acrylfarbe übermalen, würden lediglich Farbverläufe entstehen. Deshalb muss der Künstler zunächst einmal eine eigene Farbe anmischen. Mit dieser Farbe kann er dann den künstlichen Alterungseffekt auf seinem Bild erzeugen.

Konkret gestaltet sich der Ablauf so:

  • Für die Acrylfarbe vermischt der Künstler ein wenig Acrylbinder mit einer großen Menge Farbpigmenten. Im Ergebnis sollte eine sehr trockene Acrylfarbe entstehen, die nicht verläuft, wenn sie aufgetragen wird.
  • Dort, wo die Risse entstehen sollen, trägt der Künstler eine dünne Schicht aus normaler Acrylfarbe auf. Möchte der Künstler keinen farbigen Hintergrund, kann er statt der Acrylfarbe auch farblosen Acrylbinder auftragen. Diese Schicht übermalt der Künstler nun zügig mit seiner selbst angemischten Acrylfarbe.

Die feste, trockene Konsistenz der eigenen Acrylfarbe führt dazu, dass sich die beiden Farbschichten nicht verbinden, sondern übereinander auftrocknen. Gleichzeitig trocknet die obere Farbschicht schneller durch als die darunterliegende Farbschicht. Und das Ergebnis dieses unterschiedlichen Trocknungsverhaltens sind Risse und Sprünge.

Wie stark die Risse ausgeprägt sind, hängt von den Trocknungszeiten der Farbschichten ab. Trocknet die untere Farbschicht nur langsam, die obere Farbschicht hingegen sehr schnell, entstehen breite, markante Risse. Trocknet die untere Farbschicht aber schneller und die obere Farbschicht recht langsam, ergeben sich feine, sehr schmale Risse.

Möchte der Künstler die Rissbildung nicht komplett dem Zufall überlassen, kann er daher entweder die untere Farbschicht so einstellen, dass sie langsam trocknet. Oder er nimmt Einfluss auf die Trocknungszeit der oberen Farbschicht. Dazu kann er sein Bild, je nach gewünschtem Effekt, in einem kühlen, feuchten Raum trocknen lassen oder zum schnelleren Trocknen Wärme aussetzen.

 

  1. Risse in der Acrylmalerei anlegen – mit Reißlack

Die zweite Möglichkeit, wie der Künstler Risse mit Acrylfarben anlegen kann, besteht darin, Reißlack zu verwenden. Im Künstlerbedarf wird Reißlack auch unter den Bezeichnungen Krakelierlack oder Krakeliermedium angeboten.

Verarbeitet wird der Reißlack so:

  • Zuerst trägt der Künstler eine Farbschicht aus herkömmlicher Acrylfarbe auf. Diese Farbschicht wird später zu sehen sein. Der Auftrag kann ganz normal mit dem Pinsel, bei größeren Flächen aber auch mit einer Farbrolle erfolgen.
  • Wenn die Acrylfarbschicht trocken ist, übermalt sie der Künstler mit Reißlack. Am besten lässt sich der Reißlack dabei mit einem breiten Fächerpinsel auftragen. Überall dort, wo sich Reißlack befindet, werden Risse und Sprünge entstehen. Der Reißlack selbst bleibt jedoch unsichtbar. Die Schicht aus Reißlack muss nun trocknen. Auf Leinwand dauert das höchstens eine halbe Stunde.
  • Ist die Schicht aus Reißlack berührtrocken, wird erneut eine Schicht Acrylfarbe aufgetragen. Auch hier kann der Künstler wieder mit dem Pinsel oder auch mit einem Schwamm arbeiten. Die Rissbildung setzt nun innerhalb weniger Sekunden ein.

Verwendet der Künstler für die Grundierung und die obere Farbschicht Acrylfarbe in einem Farbton, entsteht eine Farbfläche, die mit einem feinen Muster aus Rissen durchzogen ist. Für besondere Effekte kann der Künstler aber auch mit mehreren Farben spielen. Dabei kommt der Effekt umso stärker zur Geltung, je größer der Kontrast zwischen der Grundierung und der oberen Farbschicht ist.

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