Anleitung: eigene Acrylfarben herstellen
Acrylfarben sind in verschiedenen Qualitäten, in unterschiedlichen Preisklassen und in einer riesigen Farbpalette erhältlich. Da die Farben miteinander gemischt werden können, ist es aber gar nicht notwendig, sich gleich ein großes Farbsortiment zuzulegen.

Stattdessen reichen die Grundfarben aus, denn damit kann der Hobby-Künstler eigene Farbmischungen in fast allen Farbtönen kreieren.
Werden die Acrylfarben dann noch mit Wasser, diversen Malmitteln, Strukturpasten oder Sand angereichert, lassen sich die Konsistenzen auf die bevorzugte Maltechnik abstimmen und besondere Effekte erzielen.
Trotzdem kann es sich lohnen, seine Acrylfarben einfach mal selbst herzustellen. Die Qualität wird zwar nicht so fein sein wie bei industriell gefertigten Acrylfarben. Dafür verleihen die selbst hergestellten Farben dem Bild eine ganz besondere, sehr individuelle Note.
Der interessante Schimmer, der durch die Körnigkeit der Farben entsteht, und die wunderbare Leuchtkraft sind zwei weitere Argumente, die fürs Selbermachen sprechen.
Im Unterschied zu beispielsweise Ölfarben ist es zudem überhaupt nicht schwer oder aufwändig, eigene Acrylfarben herzustellen.
Wie es geht, erklärt die folgende Anleitung:
Inhalt
- 1 Eigene Acrylfarben herzustellen – das wird benötigt
- 2 Eigene Acrylfarben herstellen – so wird’s gemacht
- 3 Extra-Tipp: Naturfarben aus Sand oder Erde
- 4 Sicherheit zuerst: sauber arbeiten, gesund bleiben
- 5 Materialkunde kompakt: Pigmente, Binder, Wasser – und was noch hilft
- 6 Lichtbeständigkeit & Pigmentcodes verstehen
- 7 Mini-FAQ
Eigene Acrylfarben herzustellen – das wird benötigt
- Farbpigmente
- Acrylbinder
- Wasser
- bei organischen Farbpigmenten eventuell Spiritus
- Gefäß zum Anrühren der Farbe
- verschließbare Gefäße zum Aufbewahren der Farbe
- Rührwerkzeug, z.B. Holzlöffel

Eigene Acrylfarben herstellen – so wird’s gemacht
Selbst hergestellte Acrylfarben bestehen aus drei Grundzutaten, nämlich Farbpigmenten, Acrylbinder und Wasser. In welchem Verhältnis die Zutaten miteinander vermischt werden müssen, hängt vom Acrylbinder ab.
Auf der Verpackung ist das genaue Rezept dafür angegeben. Üblich ist aber eine Mischung aus einem Teil Acrylbinder und zwei Teilen Farbbrei.
Ein höherer Anteil an Acrylbinder schadet der Farbe auf keinen Fall. Wird hingegen zu wenig Acrylbinder verwendet, haftet die Farbe nicht gut auf dem Malgrund und trocknet vor allem nicht wasserfest auf. Im Zweifel ist etwas mehr Acrylbinder also besser als zu wenig.

Das Herstellen der Farben gliedert sich in zwei Schritte und geht so:
-
Schritt: den Farbteig ansetzen
Zuerst wird aus Wasser und den Farbpigmenten ein Farbbrei angesetzt. Dafür wird etwas Wasser in ein Gefäß gefüllt. In das Wasser wird dann ungefähr die doppelte Menge Farbpigmente gegeben.
Dabei sollten die Farbpigmente behutsam in das Gefäß geschüttet werden, damit sie nicht als große Staubwolke durch die Luft wirbeln. Das Wasser und die Farbpigmente werden anschließend sorgfältig zu einem Farbbrei verrührt.
Dieser Vorgang wird auch als Einsumpfen bezeichnet. Wichtig ist, dass die Farbpigmente vollständig mit Wasser benetzt sind. Es sollten also nirgends trockene Pulvernester vorhanden sein. Pigmente, die sich nicht mit dem Wasser verbinden, verbleiben später als lose Pigmente in der Farbe und haften nicht richtig auf dem Malgrund.
Es gibt Farbpigmente, die sich nicht richtig mit dem Wasser verbinden wollen. Dies betrifft vor allem organische Pigmente.
Hier kann es helfen, dem Farbbrei ein paar Spritzer Spiritus hinzuzufügen. Meist lassen sich die Farbpigmente so dann besser benetzen.
Der fertig angesetzte Farbteig sollte nun 24 Stunden lang ruhen. Dadurch haben die Farbpigmente und das Wasser ausreichend Zeit, um sich optimal miteinander zu verbinden.

-
Schritt: den Farbteig mit Acrylbinder vermischen
Hat sich der Farbteig gesetzt, wird Acrylbinder hinzugefügt. Wichtig hierbei ist, den Acrylbinder sorgfältig mit dem Farbbrei zu vermischen, bis eine homogene Acrylfarbe entstanden ist.
Die selbstgemachte Acrylfarbe ist damit auch schon fertig. Sie kann nun direkt vermalt werden.
Daneben ist möglich, die Farbe, genauso wie handelsübliche Acrylfarbe, mit Wasser zu verdünnen, mit Malmitteln zu verdicken oder mit weiteren Zutaten für besondere Effekte anzureichern. Um die Farbe aufzubewahren, wird sie in einen leeren Behälter oder eine Tube eingefüllt und gut verschlossen.
Extra-Tipp: Naturfarben aus Sand oder Erde
Als Ergänzung zu den Acrylfarben kann der Hobby-Künstler wunderbare Farben in Naturtönen aus Erde oder Sand herstellen. Bei Spaziergängen durch Wälder und Parkanlagen, über Felder oder auch auf Baustellen kann er dazu verschiedene Erd- und Sandsorten zusammensammeln.
So mancher Hobby-Künstler wird erstaunt sein, wie viele unterschiedliche Farbtöne dabei zusammenkommen werden. Mit der Erde oder dem Sand ist die wichtigste Zutat für die Farben vorhanden.
Als weitere Zutaten kommen dann noch ein Kleister auf Cellulose-Basis in Pulverform und Wasser dazu.
Das Anmischen der Farben geht so:
- Als erstes muss die Erde oder der Sand trocknen. Dafür wird das Naturmaterial auf Zeitungspapier oder Küchenkrepp ausgebreitet. Größere Steine, Aststückchen oder Blätter werden entfernt. Ist die Erde oder der Sand getrocknet, wird das Material erst durch ein grobmaschiges und anschließend noch einmal durch ein feinmaschiges Sieb gegeben. Dadurch ist ein gleichmäßig feines Farbpulver vorhanden.
- Für eine Farbe werden drei Teelöffel Erde oder Sand zusammen mit einem gehäuften Teelöffel Kleister und einer Tasse Wasser in einen Topf gegeben. Die Zutaten werden dann erst gut miteinander verrührt und anschließend unter Rühren langsam erhitzt. Die Mischung muss einmal aufkochen. Damit ist die Naturfarbe fertig.
Die fertige Farbe muss komplett abkühlen, danach kann sie vermalt werden. Um die Farbe aufzubewahren, sollte sie ein verschließbares Gefäß umgefüllt werden.
Die Erde-/Sand-Rezepte mit Cellulose-Kleister ergeben schöne, natürliche Töne – es sind aber keine Acrylfarben. Sie trocknen physikalisch (und können bei Feuchte wieder anquellen). Für akryltaugliche Naturtexturen mische gesiebte Erde/Sand in Acrylbinder ein. Haltbarkeit, Wasserfestigkeit und Haftung sind damit deutlich besser.

Sicherheit zuerst: sauber arbeiten, gesund bleiben
Feine Pigmentstäube sind lungengängig. Arbeite in gut belüfteten Räumen, trage bei Pulverarbeiten eine partikelfilternde Maske (FFP2/FFP3), Nitril-Handschuhe und eine Schutzbrille.
Räume und Werkzeuge nach dem Ansetzen feucht wischen, nicht trocken ausblasen. Spiritus (bei organischen Pigmenten als Netzhelfer) ist entzündlich – fern von Zündquellen einsetzen und Gebinde sofort wieder verschließen.
Materialkunde kompakt: Pigmente, Binder, Wasser – und was noch hilft
- Pigmente: Anorganische Erden/Oxide (z. B. Umbra, Ocker, Eisenoxid) sind sehr lichtbeständig und matt, organische Pigmente (z. B. Phthalo-Blau/-Grün, Quinacridon-Magenta) sind brillanter, oft höher in der Farbkraft, teils schwerer zu benetzen. Meide problematische Schwermetall-Pigmente (Cadmium, Kobalt, Chromat) in der Hobbywerkstatt.
- Acrylbinder (Acryl-Polymerdispersion): Es gibt dünnflüssige Binder (für Fluid/Aquarell-Optik) und gelartige Binder (für Pastosität/Impasto). Glanz-, Seidenmatt- oder Matt-Binder verändern den Endglanz – das beeinflusst die wahrgenommene Farbtiefe.
- Wasser: Dient zum Einsumpfen und zur Feinabstimmung der Viskosität. Für die Haltbarkeit sollte Wasseranteil im fertigen Anstrich begrenzt sein (siehe unten).
- Optionale Additive:
- Netzmittel/Fließverbesserer: reduzieren Oberflächenspannung → weniger „Körnung“, bessere Verlaufseigenschaften.
- Verdicker (z. B. HEC/Cellulosederivate): stellen pastose bis gelartige Konsistenzen ein.
- Entschäumer: mindern Blasen/Pinholes.
- Trocknungsverzögerer (Retarder): verlängern Offenzeit für Nass-in-Nass-Techniken.
- Konservierer: bei größeren Ansätzen wichtig gegen Schimmel (viele Binder enthalten bereits Biozide; sauber arbeiten).

Rezeptur präzisieren: lieber wiegen als schätzen
Für reproduzierbare Ergebnisse Rezepte in Gramm notieren. Bewährt hat sich als Startpunkt (Richtwerte, je nach Pigment variieren):
- Farbbrei (Pigmentpaste): 1 Teil Pigment : 0,7–1 Teil Wasser (nach und nach zugeben) → klumpenfrei vordispergieren.
- Endmischung: 1 Teil Acrylbinder : 1–1,5 Teile Pigmentpaste (nach Gewicht).
Zu „staubig“/kreidig im Abstrich? → Binderanteil erhöhen. Zu transparent oder „zu weich“? → Pigmentpaste schrittweise erhöhen. Notiere jede Anpassung.
Check: Unterbindung vermeiden
Acrylfarben vertragen Wasser, aber zu viel Wasser schwächt den Film. Als pragmatische Leitplanke im Anstrich: den Wasseranteil am fertigen Gemisch möglichst unter ~20–30 % halten.
Für dünnflüssigen Auftrag besser Fließverbesserer/Acryl-Medium statt nur Wasser verwenden.
Dispergieren statt nur rühren: so wird’s wirklich homogen
Je feiner die Pigmentverteilung, desto brillanter und haltbarer die Farbe.
- Einsumpfen: Pigment in die Wasserphase einrieseln lassen, sofort einrühren. Pulver-„Nester“ gezielt zerdrücken.
- Vordispergieren: mit Holzspatel gründlich „anreiben“. Für noch feinere Ergebnisse: Mörser oder Glasmüller auf Glasplatte nutzen (kreisende, druckvolle Bewegungen).
- Homogenisieren: Pigmentpaste langsam in den Binder einarbeiten, nicht umgekehrt. Blasen vermeiden; ggf. kurz ruhen lassen oder Entschäumertröpfchen.

Deckkraft, Transparenz & Glanz steuern
- Deckkraft steigt mit Pigmentvolumen und mit opaken Pigmenten (Titanweiß, Eisenoxid-Rot, Umbra).
- Transparenz: organische, fein dispergierte Pigmente + dünnflüssiger Binder + moderater Auftrag.
- Glanz/Matte: über Bindertyp, Füllstoffe (z. B. Kalziumcarbonat für matte, kreidige Effekte) und Schlusslack/Medium steuern.
Additive gezielt einsetzen (optional)
- Fließverbesserer/Netzmittel: 1–3 % bezogen auf die Gesamtmenge genügen oft.
- Verdicker: stets vorverdünnen, dann portionsweise einrühren; Wirkung verzögert → nach 5–10 Minuten prüfen.
- Retarder: sparsam (1–5 %) – zu viel kann „klebrig“ wirken.
- Entschäumer: ein paar Tropfen genügen – zu viel kann Krater erzeugen.
Lichtbeständigkeit & Pigmentcodes verstehen
Notiere bei eigenen Mischungen Pigmentnamen und CI-Nummern (z. B. PW6, PR101, PB15:3) sowie eine Lichttest-Probe (Streifen halb abdecken, 4–6 Wochen sonnig hängen). Erd- und Oxidpigmente sind i. d. R. sehr beständig, manche organische Töne (z. B. bestimmte Gelb-/Rotvarianten) können empfindlicher sein.
So baust du dir deine hausinterne Farbkarte auf.
Untergründe vorbereiten: Haftung schlägt alles
- Leinwand/Karton/Holz: mit Acryl-Gesso grundieren (2 Kreuzgänge).
- Metall/Kunststoff: geeigneten Haftgrund/Primer einsetzen.
- Saugfähige Flächen: erste Schicht leicht mit Binder verdünnen (Sperrschicht), dann normal arbeiten.
Trocknung & Aushärtung: wann ist „fertig“ wirklich fertig?
„Staubtrocken“ nach Minuten bis Stunden, durchgehärtet je nach Schichtdicke und Klima erst nach 1–7 Tagen. Dicke, stark gefüllte Schichten langsamer trocknen lassen, sonst Rissrisiko. Zugluft und knallige Sonne vermeiden.
Aufbewahrung & Haltbarkeit:
- Behälter luftdicht füllen (möglichst „bis zum Rand“), Deckel und Ränder sauber halten.
- Etikett mit Datum, Rezept, Pigmentcodes.
- Schimmelprävention: sauber arbeiten; bei größeren Batches eignen sich Binder mit integrierter Konservierung.
- Nicht einfrieren (Binder kann ausflocken).
- Entsorgung: Reste antrocknen lassen und als Feststoff entsorgen; niemals große Mengen flüssiger Acrylfarbe in den Abfluss geben.
Fehlerbilder – schnelle Ursachenanalyse
- Kreiden/Abfärben: zu wenig Binder → Binderanteil erhöhen.
- Risse: Schicht zu dick / zu schneller Trocknungsverlauf / zu hoher Füllstoffanteil → dünner arbeiten, Retarder, elastischeren Binder wählen.
- Schlechte Haftung: unzureichend grundiert / fettige Fläche → reinigen, grundieren.
- Blasen/Pinholes: zu starkes Rühren / keine Entlüftung → ruhen lassen, Entschäumer, langsamer arbeiten.
- Milchiger Schleier (bei dicken, matten Schichten): Streulicht an rauer Oberfläche → Glanzbinder beigemischen oder mit seidenmattem Schlussmedium überziehen.
Mischpraxis: viel Farbraum mit kleiner Grundpalette:
Mit Titanweiß (PW6), Primär-Gelb, Quinacridon-Magenta und Phthalo-Blau (grünstichig) deckst du 90 % des Alltags ab. Ergänze für Erdtöne Gelbocker, Umbra und für neutrale Dunkelheiten ein Eisenoxid-Schwarz oder eine Chromatikkurve aus Komplementärmischungen (z. B. Rot + Grün).
Tipp: Mischkarten anlegen (Raster, 5–7 Abstufungen mit Titanweiß). So triffst du Farbtöne wieder – und siehst die Deckkraft auf einen Blick.
Effekte & Textur
- Modeling-/Strukturpasten: Sand, Marmormehl, Glasperlen → in Binder einbetten (nicht nur in Wasser), sonst bröselig.
- Lasurtechniken: hochverdünnte Farbe + Glanzbinder, mehrfache dünne Schichten.
- Trockenbürsten/Sgraffito: mit pastosen Rezepturen besonders charaktervoll.

Mini-FAQ
Wie viel Wasser ist „noch okay“?
Im fertigen Anstrich möglichst unter ~20–30 %. Für dünnflüssigen Verlauf Medium/Fließverbesserer nutzen.
Warum wird meine Farbe stumpf?
Hoher Füllstoffanteil/Matbinder, raue Oberfläche. Glanzbinder oder seidenmatter Schlusslack bringt Tiefe zurück.
Kann ich Lebensmittelfarben nehmen?
Nein. Sie sind nicht licht- und wasserfest und lassen sich nicht stabil dispergieren.
Wie teste ich Rezepturen schnell?
Proben auf Schwarzwürfel/Weißcard in 2 Schichtdicken, 24 h warten, Klebeband-Test (Abziehen) und Nässe-Wischtest.
Checkliste zum Loslegen:
- Pigment(e), Binder, Wasser, ggf. Netzmittel/Verdicker/Retarder
- Waage, Gefäße, Spatel, Mörser/Glasmüller, Abfüllbehälter
- PSA: Maske, Handschuhe, Brille; gute Lüftung
- Rezept in g notieren, Probestreifen anlegen, Etikett schreiben
- Behälter randvoll verschließen, Reste trocknen lassen – nicht in den Abfluss
Mehr Tipps, Anleitungen und Ratgeber:
- Anleitung: Keilrahmen bauen und bespannen
- Pinsel für die Acrylmalerei
- Malen mit Schablonen, 1. Teil
- Die Grundtechnik bei der Acrylmalerei
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