Kunststile der Moderne: der Expressionismus

Kunststile der Moderne: der Expressionismus

Frei nach dem Motto “Auf die Leinwand damit!” wollten sich die Expressionisten von keinem menschlichen Gefühl und keinem Tabu aufhalten lassen.

Vor dem Hintergrund der Gewalt des Ersten Weltkrieges, den vielen Ausnahmesituationen in den damaligen Zeiten und der Vorahnung, dass sich vieles verändern würde, nutzten die Expressionisten die Kunst, um ihre Individualität, ihre Ideen und ihre Gefühle zu wahren und auszudrücken. Sie wollten die Wilden sein, die ihren eigenen Weg gehen – und damit gleichzeitig das Gegenstück zum Impressionismus liefern.

 

Berühmte Vertreter des Expressionismus

Der Expressionismus gehört zu den wohl bekanntesten Kunststilen der Moderne. So dürfte es kaum jemanden geben, dem das Gemälde “Der Schrei” des norwegischen Malers Edvard Munch kein Begriff ist. Dieses Werk gilt als das erste expressionistische Gemälde weltweit. Und das, obwohl das Gemälde weit vor der Zeit des Expressionismus entstand.

Die Ära des Expressionismus beginnt im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts und endet kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Die Expressionisten sehen ihre künstlerischen Wurzeln im Impressionismus, der allmählich ausläuft. Vincent van Gogh, Paul Gaugin und Edvard Munch gelten als die wichtigsten Vorreiter. Vor allem in Deutschland und in Frankreich ist der Expressionismus stark ausgeprägt. Zu den bedeutsamsten Künstlern zählen Erich Heckel, Wassily Kandinsky, Ludwig Kirchner, August Macke, Franz Marc, Henri Matisse und Emil Nolde.

 

Die Grundidee des Expressionismus

Der Begriff Expressionismus geht auf das lateinische expressio für Ausdruck zurück. Als Kunststil steht der Expressionismus für die Kunst des gesteigerten Ausdrucks. Den Expressionisten geht es in erster Linie darum, ihre eigenen, inneren Gefühle auf die Leinwand zu bringen. Bis dahin stellt die Kunst zwar auch Gefühle dar, diese wurden aber aus der Perspektive eines Außenstehenden betrachtet. Der Impressionismus ist den Expressionisten zu starr.

In ihren Augen beschränkt sich der Impressionismus auf den subjektiven Ausdruck des Künstlers, zeigt diesen aber zu schwach. Außerdem bildet der impressionistische Stil in ihren Augen bestenfalls oberflächlich einen flüchtigen Moment ab. Die Expressionisten hingegen wollen den Betrachter auf einer emotionalen Ebene ansprechen und ihn innerlich bewegen. Sie möchten wichtige Erlebnisse unverblümt, leidenschaftlich und direkt auf die Leinwand bringen. Wenn sie beispielsweise Enttäuschung, Freude, Trauer, Schmerz, Angst oder Müdigkeit fühlen, dann sollen sich genau diese Empfindungen auch in ihren Bildern widerspiegeln.

Die Künstler führen ihren Pinsel spontan über die Leinwand. Grobe Formen dominieren deshalb diesen Kunststil. Gleichzeitig arbeiten die Künstler mit sehr kräftigen Farben, die einen markanten Kontrast zu den Formen bilden und gezielt als Ausdrucksmittel eingesetzt werden. Der Expressionismus will die Wirklichkeit nicht naturgetreu und nah am Original wiedergeben. Stattdessen wollen die Künstler ihre eigene, abstrakte Interpretation der von ihnen erlebten Wirklichkeit konstruieren.

 

Die Kritik am Expressionismus

Zu den bevorzugten Motiven der Expressionisten gehören Landschaftsbilder, die sie mit einfach dargestellten Menschen kombinieren. Daneben malen sie gerne Tiere und Städte. Sie verwenden Tusche und Aquarellfarben, fertigen Linoleum- und Holzschnitte und setzen die Plakative Malerei um. Der überwiegende Teil der expressionistischen Bilder wird aber in Öl gemalt.

Beim Publikum findet der Expressionismus wenig Zuspruch, teilweise werden die Arbeiten sogar rigoros abgelehnt. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie schlampig malen und ihnen sowohl das künstlerische als auch das handwerkliche Geschick fehlt.

Ihnen wird nicht nur vorgehalten, dass sie einfach drauflos malen. Das wäre vielleicht noch akzeptabel gewesen. Der größere Kritikpunkt ist, dass den Künstlern unterstellt wird, sie würden ihre Motive vor dem Malen weder genau betrachten noch beobachten, geschweige denn studieren.

 

Das Zeitgeschehen während des Expressionismus

Der Expressionismus kommt in der Vorkriegszeit des Wilhelminischen Reiches auf. Die Materialisierung und die Industrialisierung werden immer stärker und prägen zunehmend die Gesellschaft. Zahlreiche Menschen lassen ihr Leben als Handwerker oder Landwirt hinter sich und ziehen in die Städte, um dort eine neue Existenz aufzubauen. Gleichzeitig werden die sozialen Unterschiede und die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer.

Der Expressionismus versteht sich als Antwort auf diese gesellschaftliche Entwicklung. Er äußert seinen Protest, adressiert an das Bürgertum der Wilhelminischen Zeit. Die Expressionisten suchen einen Weg, um ihre Individualität zu bewahren und zum Ausdruck zu bringen. Sie möchten, dass jeder einzelne Mensch eine Rolle spielt und nicht nur ein kleiner Baustein eines großen Ganzen ist.

 

Der Fauvismus als Wegbereiter

Der französische Fauvismus ebnet dem Expressionismus den Weg. Zwischen 1905 und 1907 stellen die Fauvisten, die auch die wilden Tiere genannt und später als Vorexpressionisten bezeichnet werden, ihre Arbeiten in Paris aus. Ihr Malstil grenzt sich klar vom Impressionismus ab. Denn sie möchten mit ihrer Kunst ihrem eigenen Ausdruck Raum geben.

Deshalb lehnen sie gesellschaftliche Ideale und etablierte Kunstvorstellungen ab. Stattdessen wählen sie grelle, unrealistische und ungewöhnliche Farben für ihre Motive. Das Publikum reagiert schockiert auf die Bilder.

 

Das Leben der Expressionisten

Auch wenn es große Unterschiede zwischen den Künstlern des Expressionismus gibt, so haben sie doch eine große Gemeinsamkeit: Sie sehnen sich und suchen nach ihrer eigenen, ganz individuellen Ausdruckform. Und sie verstehen die Kunst als das Mittel, das es ihnen ermöglicht, ihre Individualität, ihre Vorstellungen und ihre innersten Gefühle festzuhalten und darzustellen.

Die meisten Expressionisten leben in Großstädten und sind regelmäßig in Literaturcafés, Kneipen, Varietés und Bordellen anzutreffen. Ihre Einstellungen und Ansichten zum städtischen Leben zeigen sich in vielen Bildern.

Viele Expressionisten, insbesondere die deutschen Künstler, stehen zwar hinter ihrem Vaterland. Doch in der Gesellschaft finden sie wenig Zuspruch und in den Augen der Regierung sind ihre Arbeiten entartet. Die Folge davon ist, dass es vielen Expressionisten verboten wird, ihre Kunst weiterzuführen. Um weiterhin künstlerisch arbeiten zu können, sehen sich viele Expressionisten deshalb gezwungen, ins Ausland zu gehen.

Mehr Ratgeber, Kunst, Anleitungen und Tipps:

Thema: Kunststile der Moderne: der Expressionismus

Teilen:
This entry was posted in News.

Kommentar verfassen