Warum sich Kunst oft schwer verkauft

Warum sich Kunst oft schwer verkauft

“Kunst ist schwer zu vermarkten.” – “Die Konkurrenz auf dem Kunstmarkt ist so groß, dass junge, unbekannte Nachwuchstalente keine Chance haben.” – “Die Leute haben für Kunst einfach kaum Geld übrig.” – Solche und ähnliche Aussagen sind von Künstlern immer wieder zu hören. Aber es ist nicht richtig, dass sich Kunst allein deswegen schwer verkauft, weil es Kunst ist.

Warum sich Kunst oft schwer verkauft

Kunst lässt sich genauso gut oder schlecht vermarkten und verkaufen wie jeder andere Gegenstand auch. Vorausgesetzt, der Künstler geht die Sache mit dem Verkauf richtig an. Doch genau an diesem Punkt machen viele Künstler einen entscheidenden Fehler.

Tolle Arbeiten, aber kaum Einkommen

Viele Künstler sprühen geradezu vor Kreativität. Sie haben grandiose Ideen, beherrschen den Pinsel meisterlich und schaffen wunderbare Kunstwerke. Trotzdem können sie von ihrer Kunst oft kaum leben.

Einige verkaufen bestenfalls ein, zwei Bilder pro Monat, so dass unterm Strich nur wenige Euro reinkommen. Bei anderen bleibt gar nichts hängen. Wenn sie die Farben, die Leinwände und die anderen Ausgaben gegen rechnen, sind die Ausgaben sogar höher als die Einnahmen. Schnell ist dann von der brotlosen Kunst die Rede.

Doch das sich das Künstler-Dasein schwierig gestaltet, hat nichts mit dem künstlerischen Können oder der Qualität der Bilder zu tun. Oder damit, dass der Künstler mit seinem Stil nicht den Geschmack potenzieller Käufer trifft. Für jedes Kunstwerk gibt es jemanden, der genau ein solches Bild gesucht hat und es liebend gerne kaufen möchte.

Der Grund, warum sich Kunst oft schwer verkauft, liegt am Verkaufen selbst. Denn viele Künstler blenden einen Punkt, der die Grundlage für ein erfolgreiches Marketing ist, einfach aus.

Warum sich Kunst oft schwer verkauft

Dieser entscheidende Punkt lässt sich am besten anhand eines Beispiels erklären: Angenommen, es findet ein Stadtfest statt. Die gesamte Fußgängerzone verwandelt sich in einen riesigen Marktplatz mit allerlei Ständen und Buden. Es gibt Essen und Trinken, gemütliche Sitzplätze, kleinere Bühnen und Fahrgeschäfte für die Kleinen.

Natürlich sind auch Künstler und Kunsthandwerker vertreten, die ihre Arbeiten zum Verkauf anbieten. Das Wetter ist gut und so schlendern unzählige Besucher durch die Straßen. Die Bedingungen scheinen also eigentlich optimal. Trotzdem haben viele Künstler am Ende des Tages nicht ein einziges Bild verkauft. Und das obwohl durchaus viele Besucher die wunderschönen Arbeiten bewundert und gelobt haben. Was also ist schief gelaufen?

Die Antwort ist einfach: Angebot und Nachfrage haben nicht zusammengepasst. Damit ist nicht gemeint, dass die Kunstwerke nicht den Geschmack der Leute getroffen haben oder mit Blick auf die Qualität nicht überzeugen konnten. Oder dass das Publikum nicht kunstinteressiert war. Aber: Angenommen, ein Künstler präsentiert an seinem Stand auf dem Stadtfest eine schöne Auswahl seiner Arbeiten. Die meisten davon sind auf großformatigen Leinwänden gemalt und die Preise beginnen bei 500 Euro.

Ein Käufer, der sich ein neues Gemälde gönnen möchte und bereit ist, dafür mehrere hundert Euro auszugeben, wird sich in einer Galerie umsehen, zu einer Vernissage gehen, im Kunsthandel stöbern oder den Künstler in dessen Atelier besuchen.

Aber er wird eher nicht sehr viel Geld eingesteckt haben und losgezogen sein, um an einem Marktstand auf einem Stadtfest nach einem Kunstwerk zu suchen. Und selbst wenn er zufällig auf ein Bild trifft, das ihm richtig gut gefällt, wird er es vermutlich nicht auf der Straße kaufen und das teure Gemälde den ganzen Tag mit sich herumtragen.

Der Besucher auf dem Stadtfest interessiert sich eher für nette Kleinigkeiten und hübsche Andenken. Hätte der Künstler einige seiner Motive verwendet und damit Grußkarten, Lesezeichen, Tassen oder kleine Kunstdrucke erstellt, wäre seine Kasse nach dem Stadtfest sicher nicht leer gewesen.

Das Angebot muss dort sein, wo die Nachfrage ist

Selbstverständlich muss sich der Künstler nicht verbiegen. Und natürlich soll er seine Arbeiten nicht an mögliche Käufer anpassen. Nur sind Kunst und Marketing eben keine Gegensätze. Die Haltung, die Kunstwerke, in denen viel Hingabe und Arbeit steckt, lieber gar nicht zu verkaufen als sie wie irgendwelche anderen Sachen oder Gebrauchsgegenstände zu vermarkten, ist ein Luxus, den sich nur die wenigsten Künstler leisten können.

Wenn der Künstler von seiner Kunst leben will, dann muss er die Verkaufskanäle wählen, bei denen seine Arbeiten die richtige Wirkung entfalten können. Angebot und Nachfrage müssen zusammenpassen. Sonst funktioniert der Verkauf nicht.

Das wiederum gilt für alle Verkaufsplattformen. Wenn der Künstler in seinem Online-Shop neben den eigentlichen Kunstwerken auch Grußkarten und Lesezeichen oder Gutscheine für kleine Workshops in seinem Atelier anbietet, geht das sicher in Ordnung. In einer Galerie ist er mit Grußkarten und Lesezeichen aber fehl am Platze. Gleiches gilt für Workshop-Gutscheine bei einer Vernissage.

Genauso muss der Künstler nicht alle Kanäle bedienen. Und er muss nicht überall mit dem gleichen Angebot präsent sein. Ein typischer Fehler ist, dass viele Künstler nicht bewusst überlegen, welche Arbeiten sie Galerien anbieten, bei Ausstellungen zeigen, im Online-Shop präsentieren, in den sozialen Medien vorstellen und zu Märkten mitnehmen.

Vielmehr packen sie einfach immer alles ein, in der Hoffnung, Abnehmer zu finden. Sehr viel effektiver ist aber, Entscheidungen zu treffen und Prioritäten zu setzen.

Die maßgebliche Frage an diesem Punkt ist, wo das eigene Angebot die Nachfrage, die durchaus vorhanden ist, am besten trifft. Stimmt der Künstler seine Präsenz auf seine Zielgruppe ab, ist er auf einem guten Weg, zu einem Kreativen zu werden, der nicht nur für seine Kunst lebt, sondern davon auch leben kann.

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Inhaber bei Artdefects Media Verlag
Ferya Gülcan, Künstlername "Feryal" Kunstmalerin und Fotografin, Norbert Sachmann, Galerist, Christian Gülcan (RZA) Kunstmaler und Inhaber diverser Kunstportale schreiben hier Wissenswertes zur internationalen Kunst, Galerien, Maltechniken und Kunstgeschichte.

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