Die Kunstepoche der Renaissance, 2. Teil

Die Kunstepoche der Renaissance, 2. Teil

Als Begriff ist die Renaissance vermutlich jedem geläufig. Doch anders als oft angenommen, bezeichnet die Renaissance nicht nur einen Stil in der Bildenden Kunst oder eine architektonische Richtung. Stattdessen steht der Begriff für einen Wandel in der Gesellschaft.

Renaissance

Waren die Verhaltensweisen und Denkmuster im Mittelalter durch die Religion bestimmt, läutete die Renaissance eine neue Ära ein. Sowohl das alltägliche Leben als auch die Wissenschaft und die Kunst bildeten immer stärker Strukturen der Neuzeit heraus.

Diese Entwicklungen, für die die Renaissance steht, schauen wir uns in einem ausführlichen Beitrag an. Dabei ging es im 1. Teil um die gesellschaftlichen Hintergründe und um bedeutende Persönlichkeiten.

Jetzt, im 2. Teil, werfen wir einen Blick auf die künstlerischen Errungenschaften, die die Kunstepoche der Renaissance hervorgebracht hat:

 

Die Perspektive und die Proportionslehre

Die Entdeckung der Perspektive revolutionierte die Kunst. Auf einmal war es möglich, Bildern und Skulpturen eine Räumlichkeit zu verleihen und die einzelnen Bildobjekte in diesem Raum gleichzeitig auf unterschiedliche Art anzuordnen. Mithilfe der Perspektive konnten die Künstler die Natur so darstellen, wie sie wirklich war.

Sie konnten einzelne Bildobjekte proportional richtig verkleinern, indem sie einen Fluchpunkt festlegten und Geraden von den Bildelementen zu diesem Fluchtpunkt zogen.

In der Zeit der Renaissance galt die Kunst als eine Wissenschaft. Und erst ein Studium der Perspektive und der anatomischen Proportionslehre würde es ermöglichen, die Kunst zur Perfektion zu bringen. So die landläufige Meinung.

 

Der Humanismus

Neben der Perspektive ist der Humanismus eine der wichtigsten Errungenschaften der Renaissance. Dabei beschreibt der Humanismus als Begriff im Zusammenhang mit der Kunstepoche der Renaissance eine Bewegung in der Literatur und der Philosophie. Diese Bewegung nahm im 14. Jahrhundert ihren Anfang und war von der Auseinandersetzung mit antiken Texten gekennzeichnet.

Die Gründung der Platon-Akademie in Florenz im Jahr 1459 ließ dem Humanismus eine herausragende Bedeutung in der Gesellschaft Italiens zukommen. Mäzene unterstützen humanistische Studien und auch Künstler arbeiteten eng mit den Humanisten zusammen.

So holten sie sich Rat ein, wenn sie Fragen zu beispielsweise den antiken Vorstellungen von Werten oder Formen hatten. Im 15. Jahrhundert breitete sich die humanistische Bewegung dann über ganz Europa aus und nahm großen Einfluss auf die Entwicklung der Neuzeit. Als besonders prominente Vertreter des Humanismus gelten beispielsweise Leonardo da Vinci, der Astronom Kopernikus und der Theologe Erasmus von Rotterdam.

Der Humanismus als epochaler Renaissance-Begriff bezeichnet die Übersetzung und wissenschaftliche Arbeit mit antiken Schriften und deren Autoren. Dabei beschäftigte sich die Bildungsbewegung zunächst vor allem mit der römischen Antike. Erst als sehr viel später Konstantinopel zerstört wurde und dadurch viele byzantinische Gelehrte nach Italien kamen, fanden zunehmend auch antike griechische Texte Beachtung.

Im Unterschied dazu steht der Begriff des Humanismus heute vor allem für das Bemühen um Menschlichkeit, das Achten der Menschenwürde und die freie Gestaltung des persönlichen Lebens in der Gesellschaft. Wenn von einer humanistischen Ausbildung die Rede ist, dann ist damit eine Lehre im Bereich der Geisteswissenschaften gemeint.

 

Die Bildende Kunst in der Renaissance

Wie die gesamte Epoche der Renaissance lässt sich auch die Bildende Kunst dieser Zeit in drei Abschnitte einteilen. Die Arbeiten der Früh-Renaissance haben andere Merkmale und Besonderheiten als die Kunstwerke der Hoch-Renaissance und der Spät-Renaissance. Trotzdem gibt es eine große Gemeinsamkeit: Das Individuum gewinnt an Bedeutung. Der Künstler ist jetzt nicht mehr nur ein Handwerker und ein Meister seines Fachs.

Die Auflösung der mittelalterlichen Ordnung verleiht dem Künstler ein neues Selbstbewusstsein, das auch in der Kunst seinen Ausdruck findet. Für Bildhauer und Maler ging dieses neue Selbstverständnis damit einher, dass die Bildende Kunst und die Architektur voneinander getrennt wurden. Bis dahin war es in Europa über viele Jahrhunderte so gewesen, dass die Architektur den Raum schaffte, in dem Gemälde und Skulpturen einen Platz finden können.

Angeregt durch die Antike, legten die Bildhauer ihr Augenmerk auf die realistische Darstellung von Menschen. Die Regeln der Perspektive und Studien über die Proportionen halfen ihnen dabei, ihre Modelle individuell und naturgetreu abzubilden.

Dazu kam der Humanismus, der den Geist und die äußerliche Schönheit des Menschen verherrlichte. Ein vollkommener Körper wurde zum neuen Ideal. Als großes Vorbild für alle Bildhauer der Renaissance gilt Donatello. Seine bronzene David-Skulptur zeigte erstmals seit dem Mittelalter wieder einen nackten Männerkörper. Und das in einer beeindruckend realitätsnahen Darstellung und einer an die Antike angelehnten, äußerst eleganten Haltung.

Zu den bedeutsamsten Arbeiten der Hoch-Renaissance gehört Michelangelos Pieta. Die Abbildung der Gottesmutter Maria, die ihren toten Sohn im Schoß hält, ist ein eindruckvolles Beispiel für die in der Renaissance sehr gerne verwendete Form des Dreiecks oder der Pyramide. Auch in der Malerei – und hier vor allem bei Gemälden mit religiösen Motiven – ist diese Anordnung häufig zu finden.

Es gibt kaum eine Kunstepoche, die so reich an Malerei ist wie die Renaissance. Vermutlich ist es nicht einmal übertrieben, die Wörter Kunst und Malerei in dieser Epoche gleichzusetzen. Während der Renaissance war die Malerei der Inbegriff für Kunst und umgekehrt. Und das war nicht nur in Italien, sondern auch nördlich der Alpen so. Berühmte Belege dafür sind die Gemälde von Künstlern wie van Eyck, Dürer oder Cranach.

Zweifelsohne gehört die perspektivische Darstellung von Räumlichkeit innerhalb eines Gemäldes zu den maßgeblichen Errungenschaften der Malerei in der Kunstepoche der Renaissance. Dabei war es Masaccio, ein Maler aus Florenz, der die Studien zur Perspektive erstmals auf eine Leinwand übertrug und so den Weg für eine Revolution in der Malerei bereitete.

Nicht ganz unwichtig an dieser Stelle ist auch, dass die Maler jetzt zur Ölfarbe griffen, die ihren Weg aus den Niederlanden nach Italien gefunden hatte. Außerdem ersetzten sie die dünnen Holzbretter zunehmend durch Leinwand als Malgrund. Beides machte es leichter, naturgetreu und realitätsnah zu malen.

Überhaupt war das Streben nach einer wirklichkeitsgetreuen Darstellung von Mensch und Natur das zentrale Anliegen der Renaissance-Maler. Auch wenn viele Gemälde noch immer einen religiösen Hintergrund hatten. Raffael und Botticelli gehören hier sicher zu den ganz großen Namen.

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