Byzantinische Kunst – eine Einführung

Byzantinische Kunst – eine Einführung

Barock, Klassizismus, Jugendstil, Expressionismus, Kubismus: Solche Begriffe kommen den meisten in den Sinn, wenn sie nach Kunstepochen und Kunststilen gefragt werden. Doch byzantinische Kunst? Darunter können sich viele nichts vorstellen. Grund genug, sich diesen Kunst- und Kulturstil einmal näher anzuschauen.

In einem zweiteiligen Beitrag geben wir eine kleine Einführung in die byzantinische Kunst. Dabei beginnen wir im 1. Teil mit einer geschichtlichen Einordnung und werfen einen Blick auf die byzantinische Kultur.

 

Die byzantinische Geschichte in Kürze

Kaiser Konstantin der Große gründete im Jahr 324 dort, wo sich zuvor die alte Stadt Byzantion befunden hatte, eine Stadt und nannte sie Konstantinopel. Sie sollte die neue römische Hauptstadt werden. Und tatsächlich entwickelte sich Konstantinopel zum politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Mittelpunkt des byzantinischen Reiches. Gleichzeitig wurde Konstantinopel neben Rom zur zweiten Hauptstadt des Römischen Reiches.

Konstantins Nachfolger Kaiser Theodosius erkannte kurz vor seinem Tod im Jahr 395, wie schwierig es war, das riesige Römische Reich zu regieren. Immerhin erstreckte sich das Reich von Britannien bis an den Euphrat. Also teilte er das Gebiet in ein Westreich und ein Ostreich auf und wies jedem seiner beiden Söhne ein Reich zu. Schon kurz nach der Teilung wurde deutlich, wie unterschiedlich sich die beiden Reichshälften entwickeln sollten. So ging das Westreich mit Rom als Hauptstadt nach dem Einfall der Germanen im 5. Jahrhundert unter. Das Ostreich mit Konstantinopel als Hauptstadt hingegen sollte bis in 15. Jahrhundert hinein bestehen bleiben.

Im 6. Jahrhundert unternahm Kaiser Justinian den Versuch, die beiden Hälften wieder zu einem Reich zu vereinen. Doch der Versuch scheiterte. Tatsächlich lässt sich auf genau diesen Zeitpunkt auch die Geburtsstunde des byzantinischen Reiches im eigentlichen Sinne datieren.

Bis ins 10. Jahrhundert hinein kam es zwischen Byzanz und den Persern im Osten, den Arabern im Süden und den Awaren, den Slawen und den Bulgaren im Norden immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Gleichzeitig entfachten im 8. und 9. Jahrhundert gesellschaftliche Konflikte. Die inneren Spannungen zwischen dem Kaiser und der Kirche gipfelten im sogenannten Bilderstreit. Als sich Kaiser Leon dafür aussprach, anstelle der Verehrung religiöser Bilder das Kreuzzeichen als Symbol einzuführen, löste er einen massiven Konflikt zwischen den weltlichen Regenten und der Kirche aus. Dieser Streit sollte über 100 Jahre anhalten.

Sowohl kulturell als auch politisch erlebte Byzanz in der Mitte des 9. Jahrhunderts seine Blütezeit. Die Kaiser regten innenpolitisch Reformen an und verbesserten damit wieder die gesellschaftliche Stabilität. Außenpolitisch konnte das byzantinische Reich seinen Einfluss durch Siege über die Araber und die Bulgaren sowie die Missionierung der Russen stärken.

Bis zum Beginn des 11. Jahrhunderts dehnte sich das byzantinische Reich im Norden bis an die Donau und das Schwarze Meer aus. Im Osten reichte es bis an den Tigris heran. Nach Süden hin umfasste es Zypern, Kreta, Teile von Süditalien, Serbien, Bulgarien und auch Griechenland. Als das 11. Jahrhundert zu Ende ging, bedrohten jedoch Turkvölker zunehmend die Grenzen. Der Westen reagierte mit Kreuzzügen auf diese Gefahr. Für Byzanz gingen die Kreuzzüge aber mit großen Problemen einher, etwa was die Versorgung und den Schutz der Pilger anging. Hinzu kam, dass auf byzantinischem Boden Kreuzfahrerstaaten entstanden, durch die sich die politischen und die wirtschaftlichen Interessen im östlichen Mittelmeerraum verschoben.

Mit dem ausgehenden 12. Jahrhundert war Byzanz schon deutlich geschwächt. Die Normannen, die Venezianer, die Bulgaren und die Seldschuken entwickelten sich zu den stärksten Gruppen. 1204 schließlich eroberten die Venezianer Konstantinopel. Sie stellten einen lateinischen Kaiser an die Spitze und zerschlugen damit das byzantinische Reich. Allerdings gelang den Venezianern die Herrschaft über das riesige Gebiet nicht. Noch im selben Jahr wurden drei Nachfolgestaaten gegründet. Davon setzte sich der Staat von Nikaia am Ende durch.

Der neue Staat eroberte Konstantinopel zurück und übernahm ab 1261 die Rolle des früheren byzantinischen Reiches. Allerdings wurde das Staatsgebiet sehr viel kleiner. Im 13. Jahrhundert erstreckte es sich nur noch über Griechenland, Teile von Serbien und Bulgarien und kleine Gebiete am Schwarzen Meer. Gleichzeitig wurde die Abhängigkeit vom Handel im Westen immer größer. Durch die Turkvölker und hier vor allem die Osmanen kam eine weitere Bedrohung dazu.

Im Jahr 1453 eroberten die Osmanen schließlich Konstantinopel. An die Stelle des christlich-byzantinischen Reiches trat nun ein muslimisches Reich. Das osmanische Reich behielt Konstantinopel bis 1923 als Hauptstadt bei. 1930 wurde das einstige Byzantion dann in Istanbul umbenannt.

 

Die byzantinische Kultur

In seiner gut 1.000 Jahre langen Geschichte war Byzanz eine Mischung aus römischer Staatstradition und griechisch-hellenistischer sowie christlicher Kultur. Die Amtssprache war zwar Latein. Doch Unterhaltungen im Alltag wurden auf Griechisch geführt und auch in der Literatur war Griechisch die vorherrschende Sprache. Ab dem 7. Jahrhundert hatte die griechische Sprache das Lateinische nahezu vollständig verdrängt.

Die byzantinische Kultur stand ganz im Zeichen der christlichen Religion. Sie war das vorherrschende Thema in der Kunst und der Literatur. Die Kirche hatte großen Einfluss auf die mittleren und die unteren Bevölkerungsschichten. Im Ergebnis entwickelte sich das byzantinische Reich zu einem Staat, der von christlichen Wertvorstellungen und Idealen geprägt war.

Obwohl Byzanz fast durchgängig in irgendwelche kriegerischen Auseinandersetzungen verwickelt war, gelang es nicht nur, die christlich-griechische Kultur zu etablieren. Vielmehr bildete sich eine eigene byzantinische Kultur heraus. Sie nahm ihre Anfänge in den kaiserlichen Höfen, den Kirchen und den Klöstern. Wichtigster Dreh- und Angelpunkt war aber Konstantinopel. Alle kulturellen Strömungen, die in den verschiedenen Gebieten aufkamen, orientierten sich an den Vorbildern aus der byzantinischen Hauptstadt.

Die Wurzeln von Byzanz liegen in der römischen Antike. Die byzantinische Kultur folgte in der Ausbildung, der Literatur und der Kunst dieser Tradition. Doch obwohl die Kultur nicht antik, sondern mittelalterlich war, hat die byzantinische Kulturepoche wenig mit dem westlichen Mittelalter gemeinsam. In Byzanz blieb die enge Verknüpfung zwischen christlicher Religion und Kunst sowie zwischen Kirche und kaiserlichem Staat bestehen. Einen besonderen Status dabei genossen die Klöster und die Mönche, die schon im 4. Jahrhundert eine Gegenbewegung zur byzantinischen Kirchenhierarchie eingeleitet hatten. Die breite Bevölkerung konnte sich mit Idealen wie Armut und Bescheidenheit eben sehr viel besser identifizieren als mit dem Auftreten der staatlichen Amtskirche.

In den Klöstern lebt die byzantinische Kultur auch nach der Gründung des osmanischen Reiches weiter. Die meisten Kirchen hingegen wurden zu Moscheen.

Die zeitgeschichtliche Einordnung ist wichtig, um die Kunst der jeweiligen nachzuvollziehen. Und im 2. Teil schauen wir uns die byzantinische Kunst mit ihren Malereien, Mosaiken, kunsthandwerklichen Objekten und Bauwerken an.

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