Byzantinische Kunst – eine Einführung, 2. Teil

Byzantinische Kunst – eine Einführung, 2. Teil

Es gibt viele verschiedene Kunstepochen und Kunststile. Doch anders als mit Barock, Jugendstil, Impressionismus oder abstrakter Kunst können viele mit der byzantinischen Kunst nicht viel anfangen. Grund genug, diesen Kunststil einmal näher unter die Lupe zu nehmen.

Byzantinische Malerei

In einem zweiteiligen Beitrag geben wir eine Einführung. Dabei ging es im 1. Teil um die zeitgeschichtliche Einordnung dieser Kunst. Zudem haben wir uns die byzantinische Kultur angeschaut.

Jetzt, im 2. Teil, beschäftigen wir uns mit den Arbeiten
und Werken der byzantinischen Kunst.

 

Die byzantinische Malerei

Prägend für die byzantinische Malerei ist die Ikone. Die Kultbilder zeigen Darstellungen von Christus, Maria, Heiligen oder Bibelszenen. Sie sind meist auf Holz gemalt. In kleinem Format sind sie für die private, häusliche Andacht bestimmt, in großen Formaten werden sie im öffentlichen Gottesdienst verwendet. Ursprung der Ikone sind antike Bildnisse von Kaisern und Verstorbenen, die auf Holz, seltener auch auf Glas gemalt werden.

Im 6. Jahrhundert verliert der bis dahin stark ausgeprägte Reliquienkult an Bedeutung. An seine Stelle tritt die Ikonenverehrung, die in allen Gesellschaftsschichten praktiziert wird. Die Ikone soll etwas vom göttlichen Wesen und der Heiligkeit haben. Außerdem werden ihr übernatürliche Kräfte nachgesagt, die sogar Wunder vollbringen können. Die Verehrung geht soweit, dass mitunter angenommen wird, eine menschliche Hand könne die Ikone nicht geschaffen haben.

Die byzantinische Ikone hat meist einen goldenen Hintergrund. Das Gesicht und die Hände der dargestellten Heiligen sind sehr feingliedrig ausgestaltet, vor allem ihre Nasen und ihre Finger sind oft sehr lang und dünn. Die Köpfe sind von goldenen, kreisrunden Heiligenscheinen umgeben. Seit dem 13. Jahrhundert werden die Holztafeln oft noch zusätzlich mit Gold beschlagen, so dass am Ende nur noch das Gesicht und die Hände zu erkennen sind.

Dabei gibt es die Ikone in verschiedenen Varianten. Und vor allem die Mariendarstellungen unterscheiden sich stark voneinander. In der byzantinischen Kunst ist die Hodegetria am stärksten vertreten. Sie zeigt Maria, wie sie das Christuskind auf dem linken Arm hält und den Gläubigen den Weg weist. Eine andere Form zeigt Maria im Stehen, mit dem Christuskind vor ihrer Brust. Allerdings hält Maria das Kind kaum, sondern berührt es nur ganz leicht.

Im 8. Jahrhundert spricht das Kaisertum seine Bedenken gegenüber der Verehrung von Bildern aus. In der Folge kommt es zum sogenannten Bilderstreit. Er herrscht von 726 bis 843 und dauert so mehr als hundert Jahre. Während die Kritiker die Verehrung von Ikonen und christlichen Bildern im Allgemeinen ablehnen, setzen sich die Befürworter gerade dafür ein. Als der Bilderstreit endlich beigelegt werden kann, werden Ikonen mit der Darstellung von Christus, Maria und Heiligen schließlich legitimiert.

Neben der Ikonenmalerei ist die Buchmalerei ein weiterer, eigenständiger Bereich der byzantinischen Kunst. Doch auch hier sind Heilige und Szenen aus der Bibel die Hauptmotive. Gleiches gilt für die Wandmalereien. Allerdings sind nur noch wenige Fresken erhalten. Sie sind in erster Linie im Katharinen-Kloster auf dem Sinai zu finden.

 

Byzantinische Mosaike

Kunstvolle Mosaike als Wandschmuck entfalten im Sakralbau ihre größte Pracht. Dabei sind byzantinische Mosaike im sogenannten Erzählstil erhalten. Sie zeigen Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament. Und die erzählende, bildhafte Darstellung richtet sich vor allem an Analphabeten, die auf diese Weise lernen sollen.

Mit besonders aufwändigen Mosaiken sind die Kuppeln der byzantinischen Kirchen verziert. Ein Paradebeispiel hierfür sind die prächtigen Mosaiken im Istanbuler Chora-Kloster. Gefertigt werden die Mosaiken um 1320. Auf dem größten Bild ist die Geburt Marias zu sehen. Zwei kleinere Bilder erzählen von der Verkündung an die Hirten und von König Herodes, der die Tötung von Kindern befiehlt. Ein viertes Bild schließlich zeigt Kaiser Theodoros als Auftraggeber der Mosaiken. Bei allen vier Bildern dominiert ein leuchtendes Gold. Bemerkenswert sind die feine, detailreiche Gestaltung und die ästhetische Ausarbeitung. 1453 machen die Osmanen aus dem Kloster eine Moschee.

Ein weiteres bedeutendes Beispiel für die byzantinische Kunst sind die Mosaiken im griechischen Kloster Hosios Lukas. Sie erzählen davon, wie der Heilige Geist die Apostel erfasst. Der herrschende Jesus in der Apsis wiederum gehört zu den ältesten Bildmotiven byzantinischer Arbeiten. Ein solches Mosaik ist beispielsweise in der Klosterkirche Theotokos Pammakaristos in Istanbul zu sehen. In der Istanbuler Hagia Sophia hingegen gibt es ein Mosaik, das den segnenden Christus darstellt.

 

Das byzantinische Kleinkunstgewerbe

Unter den kunsthandwerklichen Arbeiten der byzantinischen Kunst nehmen vor allem die Elfenbeinschnitzereien eine bedeutende Stellung ein. Sie entstehen überwiegend im 10. und 11. Jahrhundert. Ähnlich wie bei der Ikone sind Christus, Maria, Heilige und Bibelszenen die Hauptmotive. Die fein geschnitzten, kostbaren Arbeiten aus Elfenbein sind in kleinen Formaten gearbeitet. Deshalb werden sie vermutlich für die private Hausandacht bestimmt gewesen sein.

Neben Elfenbein verarbeiten die byzantinischen Künstler und Kunsthandwerker auch Gold und Emaille. Daraus fertigen sie Bilder, Schmuckstücke und Kircheninventar.

 

Byzantinische Bauwerke

Der Stil der byzantinischen Architektur zeigt sich in erster Linie in Sakralbauten. Profane Gebäude sind praktisch keine erhalten. In der gesamten christlichen Welt ist die Sakralbaukunst im 5. und 6. Jahrhundert von drei- und fünfschiffigen Basiliken geprägt. Auch in der byzantinischen Baukunst ist die Basilika ein wesentliches Element. Stilistisch kommen aber orientalische und islamische Einflüsse dazu. In diesem Zusammenhang spielt der Zentralbau eine tragende Rolle. Im Unterschied zur klassischen Basilika, bei der sich der Grundriss an römischen Profanbauten orientiert, hat der Zentralbau seine Wurzeln in antiken Mausoleen. Ergänzt um Elemente vom Grundriss einer Basilika, setzt sich der Zentralbau in der byzantinischen Architektur durch.

Ein typisches Merkmal von byzantinischen Kirchen ist die Kuppel. Sie wird aus Gewichtsgründen teilweise aus Holz und teilweise aus Ziegelsteinen gebaut. Bei Zentralbauten ist die Kuppel vergleichsweise leicht umzusetzen, denn bei Bedarf kann die Anzahl der rechtwinklig angeordneten Säulen erhöht werden. Im Laufe der Zeit entwickelt sich der Kuppelbau jedenfalls zur Hauptaufgabe der byzantinischen Baukunst. Berühmte Beispiele für Kirchen mit kreuzförmiger Kuppel sind die Hagia Sophia in Saloniki und die Klemenskirche in Ankara. Die Apostelkirche in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, und die Johanneskirche in Ephesos wiederum haben beide mehrere Kuppeln und werden zum Vorbild für den Markusdom in Venedig.

Das mit Abstand wichtigste Bauwerk byzantinischer Architektur ist aber die Hagia Sophia in Istanbul. Zwischen 532 und 537 unter Kaiser Justinius erbaut, wird die Kirche zur Krönungskirche der oströmischen Kaiser. Ein antikes Vorbild ist nicht bekannt. Allerdings legen die Architekten den Grundriss einer Kuppelbasilika zugrunde.

Die Hagia Sophia ist eine 77 Meter lange und 71 Meter breite, dreischiffige Basilika mit einem Grundriss nah am Zentralbau. Vier gewaltige Pfeiler tragen eine große Hauptkuppel, die sich über den zentralen Innenraum wölbt. Die beeindruckende Wirkung des quadratischen Innenraums ergibt sich durch die enorme Höhe, die Breite und die Halb- und Zentralkuppeln, die aufeinandergetürmt sind. Von außen bestimmen diese Kuppeln und die massiven Pfeiler den Bau. Nur die schmalen und eleganten Minarette, die nachträglich durch die Türken hinzugefügt wurden, nehmen dem Komplex die Schwerfälligkeit. Als die Osmanen Byzanz einnehmen, wandeln sie die Hagia Sophia in eine Moschee um. Seit den 1930er-Jahren ist sie ein Museum.

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