Kunst und Künstler – und ihr Weg in die Moderne, 3. Teil

Kunst und Künstler – und ihr Weg in die Moderne, 3. Teil

Der Handwerker, der kunstvolle Objekte herstellte, machte den Anfang. Dann folgte ein sehr langer Weg, der schließlich zum freien Künstler der Moderne führte. Historische Umbrüche, veränderte Sichtweisen, aber auch der technische Fortschritt waren Faktoren, die großen Einfluss darauf hatten, wie sich die Kunst und der Künstlerbegriff entwickelten.

Um die Ideen und Ansätze der modernen Kunst zu verstehen, ist es hilfreich, diese Entwicklung zu kennen. In einer mehrteiligen Reihe schauen wir uns die Kunst, die Künstler und ihren Weg in die Moderne daher einmal näher an.

Und hier ist Teil 3.:

 

Die Akademie bestimmt, was Kunst ist

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts prägen die Akademien den Publikumsgeschmack in der Kunst. In Paris gibt es mit dem Salon de Paris eine große Ausstellung, in der die Mitglieder der Akademie ihre Arbeiten präsentieren können. Gleichzeitig entscheidet die Akademie darüber, was Kunst ist und was nicht. Dabei steht die Technik an erster Stelle.

Nicht das Bildmotiv oder die Farben sind maßgeblich. Stattdessen wird die perfekte Linienführung angestrebt. Individuelle Ausdrucksformen sind nicht gefragt und es ist undenkbar, dass ein Künstler eine Idee nach seinem eigenen Verständnis umsetzt. Künstler gelten als austauschbar. Perfektion, Präzision und Vollendung sind die erklärten Ziele der Malerei.

Seinerzeit entstehen kaum Landschaftsgemälde, Stillleben oder Portraits. Stattdessen sind Historienbilder, die Themen aus der französischen Geschichte, der griechisch-römischen Mythologie, dem Orient oder der Religion aufgreifen, äußerst beliebt. Und die Gemälde werden bevorzugt als Allegorien gemalt.

Es soll nicht darum gehen, die Bilder durch bloßes Anschauen zu verstehen. Vielmehr sollen die Bilder eine Welt konstruieren, sie interpretieren und sich von der Gegenwart distanzieren. Maler wie Alexandre Cabanel, William A. Beouguereau oder Thomas Couture werden zu Aushängeschildern der Akademie.

Mitte des 19. Jahrhunderts prägt Dominique Ingres die École des Beaux Arts, eine weitere Pariser Akademie. Auch Ingres fordert von seinen Schülern die perfekte, vollendete Linienführung. Die Farbe hat für ihn keine Bedeutung, sie ist bestenfalls ein Mittel, um die Gemälde zu kolorieren. Diese Haltung ruft einen Streit zwischen Ingres und Eugene Delacroix hervor.

Delacroix, einer der führenden Maler der Romantik, sieht in den Farben ein entscheidendes Mittel, um Emotionen und Leidenschaft in einem Gemälde zum Ausdruck zu bringen. Beide Meister haben seinerzeit großen Einfluss auf die Künstler. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Streit der beiden Meister unter den Kunststudenten hitzig diskutiert wird.

 

Die Akademie hat das Monopol

Im Paris des 19. Jahrhunderts ist Maler ein beliebter Beruf. Stellten noch zu Beginn des Jahrhunderts etwa 200 Künstler ihre Arbeiten im Salon aus, waren es im Jahr 1863 schon rund 1.300 Künstler. Der rasante Anstieg der Künstler führt dazu, dass die Akademien und der Bildermarkt mit Bildern regelrecht überflutet werden.

Allerdings ist die Akademie eine starre Organisation, die unter staatlicher Kontrolle steht und von einer kleinen Führungsriege geleitet wird. Die Akademieführung bleibt unter sich und stellt sich hierarchisch über die Künstler, ohne dabei eine wirkliche Beziehung zu ihnen zu haben.

Sie kontrolliert den Salon und nutzt ihn für politische Propaganda, als Unterhaltungsstätte und um Künstler samt deren Bildern anzuwerben. Doch als eine Institution, die die Laufbahn eines Künstlers fördern kann, erweist sich die Akademie nicht. Gleichwohl hat die Akademie eine Monopolstellung und wenn ein Künstler von ihr abgewiesen ist, kommt das für ihn einer wirtschaftlichen Katastrophe gleich.

 

Der Impressionismus revolutioniert die Malerei

Vor diesem Hintergrund nimmt der Impressionismus seinen Lauf. Ab etwa 1860 fordern die Impressionisten die traditionellen Kunstformen heraus und bringen sie in gewisser Hinsicht sogar zu Fall. Gleichzeitig wird dadurch möglich, dass sich die Moderne Kunst weiterentwickelt. Ein Name, der in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle spielt, ist Edouard Manet. Er bricht mit der Akademie und dieser Bruch führt zu einer Revolution in der Malerei, die den Grundstein für das Selbstverständnis des modernen Künstlers und der modernen Malerei legen sollte.

Der Impressionismus wird ab 1874 zu einer Bewegung, die es sich zum Ziel macht, das Monopol der Akademie zu durchbrechen und eigene Ausstellungen zu organisieren. Die Idee dazu entsteht vermutlich, als sich die Künstler aus Batignolles, einem unter Künstlern beliebten Pariser Stadtviertel, regelmäßig treffen. Es gibt ein Gemälde von Henri Fantin-Latour namens Un atelier aux Batignolles, das die Künstlergruppe um Manet, die später den Kern der Impressionisten bilden soll, zeigt.

 

Der Künstler rückt in den Mittelpunkt

1867 organisiert Manet am Rande der Weltausstellung einen Pavillon und eröffnet darin den Salon de Refusés. Dieser ersten, selbst organisierten Ausstellung sollen weitere folgen. Künstler, Kunsthändler, Sammler und Kunstkritiker schließen sich zu einem Netzwerk zusammen. Die Maler des modernen Lebens stellen sich gegen die Maler der Akademien.

Fortan geht es nicht mehr nur um die Bilder, sondern dem Künstler wird Aufmerksamkeit zuteil. Ein Gemälde ist kein isoliertes Werk, es gehört vielmehr zum Künstler. Der Kunsthändler wird zum Galeristen und zum Unternehmer. Der Kunstkritiker äußert sich nicht mehr nur zu einem Bild, sondern beschreibt auch die Persönlichkeit des Künstlers und stellt den Bezug zu dessen Gesamtwerk her.

Das Konzept des verkannten Genies, das während der Romantik entstanden ist, wird aufgegriffen und auf den neuen, modernen Künstler übertragen. Dadurch gelingt es dem Künstler, seine Motivation aufrechtzuerhalten, auch wenn ihn die Akademie nicht als Künstler anerkennt. Gleichzeitig entsteht dadurch die Sichtweise, die den Kunstmarkt bis heute prägt: eine Spekulation darüber, wie der Kunstgeschmack künftig wohl sein wird.

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