Kunst und Künstler – und ihr Weg in die Moderne, 2. Teil

Kunst und Künstler – und ihr Weg in die Moderne, 2. Teil

Zunächst gab es den Handwerker, der kunstvolle Objekte anfertigte. Aus ihm ging der freie Künstler der Moderne hervor. Doch diese Entwicklung dauerte lange. Neue Sichtweisen, veränderte Weltanschauungen, historische Umbrüche und nicht zuletzt der technische Fortschritt waren Faktoren, die den Weg der Kunst und den Begriff des Künstlers maßgeblich beeinflussten.

Gleichzeitig macht es das Wissen um die Entwicklung leichter, die Ideen der modernen Kunst nachzuvollziehen. In einem mehrteiligen Beitrag wollen wir den Weg der Kunst und der Künstler in die Moderne deshalb einmal verfolgen.

Und hier ist der 2. Teil der Beitragsreihe.

 

Der Künstler soll Stil haben

Nachdem die Kunst seit dem Hellenismus zunehmend an Bedeutung gewonnen hatte und seit dem 15. Jahrhundert auch der Künstler als eine Person, die in meisterlicher Manier große Kunst schuf, hohes Ansehen genossen hatte, ändert sich das Bild im 17. Jahrhundert wieder. Die Mythen und Legenden über das Wesen des Künstlers kommen aus der Mode. Der Künstler soll kein Freigeist sein, sondern sich der Etikette des Hofes anpassen.

Er soll sich kleiden und verhalten wie ein gebildeter Mann mit guten Manieren. Peter Paul Rubens wird zum Vorbild erhoben. Denn er ist gutaussehend, spricht mehrere Sprachen und weiß in weltmännischer, diplomatischer Art mit Gelehrten und Regenten umzugehen. Kunstakademien, die Wissen vermitteln sollen, werden eingerichtet. Der Stil und die Regel werden zum zentralen Angelpunkt des künstlerischen Daseins und Schaffens.

 

Der Staat und die Kirche bestimmen die Kunst

Viele Jahrhunderte lang ist der Künstler ein Handwerker. Noch im Mittelalter hat der Künstler einen kleinen Handwerksbetrieb, in dem er seine kunstvollen Auftragsarbeiten anfertigt. Sein Einkommen erzielt der Kunsthandwerker vor allem mit der Portraitmalerei.

Dabei sind seine Auftragsbücher umso voller, je zufriedener die Auftraggeber mit den bestellten Portraits sind. Doch dafür muss der Künstler sein Handwerk gründlich erlernt und sein Können immer weiter vertieft haben. Außerdem muss er die Techniken der Farbenherstellung beherrschen, denn kaufen kann er seine Farben nirgends.

Nachdem der Adel an Macht gewinnt und die Staatsformen zunehmend absolutistischer werden, entwickeln sich die Regenten zu den Hauptabnehmern des Kunsthandwerks. Die Adelshäuser leisten sich ihre eigenen Hofmaler und räumen den großen Meistern großzügige Privilegien ein, um sie in ihrem Hofstaat zu halten.

Ein Künstler, der in einem Adelshaus angestellt ist, wird gut entlohnt und genießt hohes Ansehen. Allerdings sind es der Staat, die Kirche und die Auftraggeber, die darüber entscheiden, was der Künstler malt. Sie sind diejenigen, die die Sicht auf die Welt und deren Darstellung vorgeben. Erst in der Renaissance beginnt eine Bewegung, durch die sich die Kunst allmählich vom Staat und der Kirche löst und den Grundstein für den freischaffenden Künstler legt.

 

Der Künstler wird zum Akademiker

Nach dem Pomp und Kitsch des Barock folgt eine Rückbesinnung auf die Antike. Das Klare und Nüchterne dieser Zeit wird zur wahren Schönheit und erstrebenswerten Weltanschauung erklärt. Um 1800 herum prägt der Klassizismus die Kunst. Die Künstler organisieren sich in Kunstakademien, um dort von- und miteinander zu lernen. Meist bleiben die Künstler ihrer Akademie ein Leben lang verbunden. Viele Künstler zieht es nach Rom.

Vielleicht ist es eine Flucht vor den kleinlichen Zuständen in Deutschland, vielleicht treibt sie die Angst vor der Französischen Revolution. Jedenfalls ist die Zeit damals von der Pflicht, sich anzupassen, bestimmt. Wer nicht mitschwimmt, wird oft nicht sehr alt.

In den Kunstakademien wiederum gibt es klare Definitionen und feste Regeln dafür, was Kunst ist. Historienbilder stehen dabei an oberster Stelle und Motive aus der griechisch-römischen Mythologie, religiöse Themen und orientalische Motive sind äußerst beliebt. Im Unterschied dazu finden Portraits, Landschaftsbilder oder Stillleben wenig Anerkennung. Vor allem bei jungen Künstlern stellt sich dadurch eine gewisse Unzufriedenheit ein. In der Folge kommt es zu Abspaltungen. Mit dem Lukasbund gründet sich an der Wiener Kunstakademie die erste Sezession.

 

Die Kunst wird zur Geistestätigkeit

Das 18. Jahrhundert steht im Zeichen der Aufklärung. Das christlich geprägte Weltbild wird durch ein neues Bewusstsein abgelöst. Der Mensch wird nun als ein Wesen verstanden, das für sich selbst verantwortlich ist und seine eigenen Ziele finden muss. Aufklärer wie Kant, Roseau oder Voltaire stellen in Frage, dass das Leben von Gott vorbestimmt sei.

Dadurch erlebt auch die Kunst einen massiven Wandel. Religiöse Darstellungen verlieren ihren Status als zentrales Thema. Die Kunst wird zu einem Mittel der Selbstreflexion und neben dem Erhellenden und dem Fortschritt werden nun auch die Schattenseiten, die mit Wissen und Vernunft einhergehen, betrachtet.

Der Mensch als vollkommenes Wesen wird zum zentralen Thema des Klassizismus. War die Kunst bis dahin ein Handwerk, so ist sie nun eine Tätigkeit des Geistes, die Höheres anstrebt. Die Kunst soll in sich ruhen und wird gleichzeitig als Zeichen göttlicher Perfektion gedeutet. Die Kunst zeigt den Menschen und ahmt die Natur nach und versteht sich in diesem Sinne als verkleinertes Abbild der Schöpfung. Ein weiteres großes Thema in der Kunst seinerzeit ist die Wissenschaft. Vor allem das Zusammenspiel von einem Körper und dem Faltenwurf von Stoffen wird bis ins kleinste Detail ausgearbeitet.

 

Der Künstler als Sonderling kehrt zurück

Aus der inneren Abkehr von der Aufklärung und dem Klassizismus heraus, aber auch unter den Eindrücken der Französischen Revolution wird Ende des 18. Jahrhunderts mit der Romantik eine neue Kunstepoche eingeläutet. In der Romantik fließen verschiedene Kunstströmungen zusammen. Ihnen allen ist aber gemeinsam, dass sie individuell und phantasievoll darstellen und dabei das Emotionale betonen wollen. Mystisches und Geheimnisvolles wird mit religiösen Themen und Weltschmerz vereint. Die Landschaft wird zum zentralen Motiv.

Oft als Allegorie abgebildet, arbeiten die Künstler mit Farben und Licht, um eine besondere Atmosphäre zu erzeugen. Prägende Künstler dieser Zeit sind W. Turner und J. Constable, die neue Maßstäbe setzen und die Malerei weit über die Romantik hinaus stark beeinflussen. Die Künstler der Romantik suchen nach neuen Themen und neuartigen Darstellungsweisen, um ihr Lebensgefühl auszudrücken. Oft wird dabei auch das Leiden zum Heldentum erhoben.

Gleichzeitig flammt das Bild des Künstlers als Sonderling neu auf. Der weltfremde Grübler ist wieder da, nur dass sich seine Melancholie jetzt in Fernweh verwandelt. Hinzu kommt aber eine neue Herausforderung. Denn einerseits ist der Künstler von den Zwängen des Adels und den Regeln der handwerklichen Zünfte befreit.

Doch andererseits muss er sich auf dem freien Markt bewähren. Als verkanntes Genie ist Leid der Preis für seine Kreativität. So mancher Künstler inszeniert sich als jemand, der heldengleich das schwere Kreuz der Kunst auf sich nimmt, um die Welt zu verändern. Dieses Bild des Künstlers sollte erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts allmählich verblassen.

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