Was ist der Industrial Style?

Was ist der Industrial Style?

Großzügige Flächen, geradlinige Formen, umfunktionierte Werkbänke und Industriemöbel, jede Menge Metall und Beton: Der sogenannte Industrial Style gehört schon seit längerem zu den sehr beliebten Einrichtungsstilen. Einen Hauch vom Charme einer alten Fabrikhalle in die eigenen vier Wände zu holen, ist schwer angesagt. Aber was genau macht den Industrial Style eigentlich aus? Und wie lässt er sich zu Hause umsetzen?

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Was ist der Industrial Style

Wir geben Antworten!:

Was ist der Industrial Style?

Zunächst war der Industrial Style gar kein Einrichtungsstil. Und vermutlich wäre über Jahrzehnte hinweg auch niemand auf die Idee gekommen, von einem Einrichtungsstil zu sprechen. Schließlich greift der Stil das Ambiente auf, das in den Anfangszeiten der Industrialisierung in den Werks- und Fabrikhallen herrschte.

Erst als der Trend aufkam, alte Fabrikgebäude in Wohnungen umzubauen, wurde auch der nüchterne und funktionale Einrichtungsstil zum Thema. Die offene Bauweise, klare Linien, raue Materialien, die Spuren der Vergangenheit und die Schönheit des Nicht-Perfekten hielten Einzug in die Wohnräume.

So wurde der Industrial Style dann auch ein Stück weit der Gegenentwurf zum idyllischen, romantisch-verspielten Landhaus-Stil.

Was macht den Industrial Style aus?

Hart arbeitende Männer, die verschwitzt in kargen Werkshallen stehen und schrauben, hämmern, bohren und schweißen. Ein Geruch aus Öl, Benzin und Lösungsmitteln. Dazwischen die Funken, die fliegen, wenn Metall verarbeitet wird. Dieses Bild prägt die Grundidee des Industriestils.

Gerade in einer Zeit, in der es ständig um Perfektion geht und in der sowohl das Arbeits- als auch das Privatleben immer weiter in virtuelle Welten abwandern, rückt der Industrial Style das Wesentliche wieder in den Mittelpunkt. Gleichzeitig erfordert der Stil kein großes Budget.

Ein simples Lagerregal als Wohnzimmerschrank, eine alte Werkbank als Waschtisch oder ein paar Zinkeimer vom Sperrmüll als Blumentöpfe setzen bereits charmante Akzente in den eigenen vier Wänden.

Wie jeder Einrichtungsstil hat natürlich auch der Industrial Style einige Elemente, die ihn prägen. Und die wichtigsten davon sind folgende:

  1. Offener Grundriss

Die Wurzeln des industriellen Looks liegen in Garagen, Werkstätten, Lagerhallen und Fabrikgebäuden. Offene und großzügige Räume, in denen sich die verschiedenen Wohnbereiche vereinen, gehören deshalb zu den wesentlichen Merkmalen des Einrichtungsstils.

Nun wohnt aber natürlich nicht jeder in einer riesigen Wohnung oder gar einem Loft. Um auch in eher kleinen Räumen ein Gefühl von urbaner Großzügigkeit zu schaffen, ist wichtig, für klare Strukturen zu sorgen. Nur wenige Möbelstücke und ein paar ausgewählte Highlights lassen ein Zimmer größer wirken als es tatsächlich ist.

Andersherum bekommen sehr weitläufige Räume durch geschickt platzierte Möbel eine wohnliche Note. Denn sie gliedern die offene Fläche in Inseln, die dem Auge Orientierung bieten.

  1. Ursprünglichkeit erhalten

Sichtbeton, stählerne Konstruktionen, derbe Holzbalken, offenliegende Rohre oder nicht verputzte Steinwände sind Elemente, die der Industrial Style bewusst betont. Tapeten oder farbig gestrichene Wände sind bei diesem Stil die Ausnahme.

Vielmehr lebt der industrielle Charme davon, dass er die Beschaffenheit und den Charakter des Gebäudes ehrlich bewahrt, statt alles hinter hübschen Fassaden verschwinden zu lassen.

Es muss nicht perfekt sein. Makel dürfen sichtbar werden und Bauelemente für sich wirken. Rohre, die frei liegen, können ganz praktisch zu den Halterungen werden, an denen Kabel entlanglaufen.

Große Fenster, die für den Fabrik-Charakter ebenfalls typisch sind, werden eher mit Jalousien oder sehr schlichten Vorhängen als mit verspielten Gardinen ausgestattet, um für die notwendige Privatsphäre zu sorgen.

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  1. Praktische Möbel

Der Industrial Style verzichtet nicht nur auf unnötigen Schnickschnack. Stattdessen ist er praktisch und funktional. Außerdem lebt er davon, alte Dinge zu verwerten. Der Schrottplatz, Sperrmüll und der Baumarkt sind deshalb eher Fundorte für Einrichtungsgegenstände als herkömmliche Möbelhäuser.

Obst- und Weinkisten werden zum Couchtisch, eine alte Leiter zur Garderobe und Metallspinde zu Küchenschränken. Aus Paletten kann ein Bett entstehen, Autoreifen werden zu Hockern und eine Emailschüssel ersetzt das typische Keramikwaschbecken.

Dabei darf und soll es natürlich auch gemütlich werden. Nur passt eine großzügige Couchlandschaft mit klaren Linien eben besser zum Gesamtkonzept als ein geschwungenes Sofa mit Rosenmuster.

  1. Metall

Ein Material, das ein echtes Muss im Industrial Style ist, ist Metall. Eisen, Stahl, Aluminium und Bleche aller Art sorgen für die gewünschte Optik. Das kann zum Beispiel in Form von freigelegten Rohren, Treppenkonstruktionen, Tischplatten, Metallstühlen oder Werbeschildern erfolgen.

Charmanter und passender als hochglänzende Materialien wirken aber Metalle, die etwas angelaufen, leicht angerostet oder matt lackiert sind. Zusammen mit Stein und Holz verwandelt sich das kühle Fabrikflair dann in ein wohnliches Ambiente.

  1. Industrielampen

Früher leuchteten Lampen mit großen Schirmen aus emaillierten Stahlblechen ganze Fabrikhallen aus. Heute sorgen historische Baulampen für den schnörkellosen Industriecharme in Wohnungen.

Alte Metalllampen kommen vor allem über dem Esstisch und der Arbeitsfläche in der Küche prima zur Geltung. Hier greifen sie nämlich die Ausleuchtung der Arbeitsplätze in den früheren Werkhallen wieder auf.

Allerdings erfordern große Industrielampen eine gewisse Deckenhöhe. Andernfalls können die ungleichen Proportionen den Raum regelrecht erschlagen. Eine coole und dazu sehr kostengünstige Alternative sind einfach nur Glühbirnen, die ohne weitere Verkleidung von der Decke baumeln.

  1. Rustikale Fußböden

Der Trend zum nüchternen Industrie-Look hat auch dazu beigetragen, dass fugenlose Böden aus Beton oder Estrich in Mode gekommen sind. Robuste Holzdielen, Fliesen aus dunklem Naturstein oder Linoleum sind interessante Alternativen. Generell ist jeder Belag möglich, der in einer ähnlichen Form auch in einer Fabrikhalle oder Werkstatt verlegt sein könnte.

Die Wohnlichkeit muss dabei nicht zu kurz kommen. Denn zum einen kann eine Fußbodenheizung auch in einen Betonboden integriert werden. Zum anderen spricht nichts gegen Brüche.

Ein kuscheliger Orientteppich beispielsweise, der auf einem grauen Natursteinboden liegt und auf dem ein derber Tisch mit Metallbeinen steht, sorgt für einen spannenden Akzent und für warme Füße.

7. Farbakzente

Im Industrial Style dominieren Grautöne, Schwarz und Weiß. Dazu kommen die Farben, die Stein, Holz und Metalle mit sich bringen. Ansonsten bleibt es eher schlicht. Doch gerade deshalb können ein paar Farbkleckse zu echten Hinguckern werden.

Dabei bieten sich hauptsächlich die Farben an, die auch in Fabrikhallen anzutreffen sind. Das Rot von Feuerlöschern, das Grün von Kontrolllämpchen oder das Gelb von Sicherheitsleuchten zum Beispiel eignen sich prima für farbenfrohe Akzente.

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Ferya Gülcan, Künstlername "Feryal" Kunstmalerin und Fotografin, Norbert Sachmann, Galerist, Christian Gülcan (RZA) Kunstmaler und Inhaber diverser Kunstportale schreiben hier Wissenswertes zur internationalen Kunst, Galerien, Maltechniken und Kunstgeschichte.

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