Was unterscheidet Antikes von Vintage?

Was unterscheidet Antikes von Vintage?

Alt, antik, Vintage, Shabby, Retro: Gebrauchte Möbel sind wieder schwer angesagt. Denn sie haben nicht nur ihren ganz eigenen Charme, sondern erzählen auch Geschichten. Ihre Vergangenheit ist ihnen anzusehen, die Zeit und die Vorbesitzer haben ihre Spuren hinterlassen. Im Laufe der Jahre ist eine Patina entstanden, die jedes Möbelstück zu einem reizvollen und besonderen Unikat macht. Doch wo Trends aufkommen, bleiben oft auch neue Namen nicht aus. Und so fallen regelmäßig Begriffe wie Shabby oder Vintage.

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Was unterscheidet Antikes von Vintage

Aber was genau verbirgt sich eigentlich dahinter? Was unterscheidet Antikes von Vintage? :

Antike Möbel

Die Kategorie der antiken Möbel oder auch Antiquitäten bildet einen sehr weit gefassten Rahmen für Möbel, die in den Epochen vor der Moderne entstanden sind. Dabei beginnt die Zeitachse ungefähr bei Möbelstücken aus dem Mittelalter, auch wenn von diesen Möbeln nicht mehr viele übrig sind. Den Endpunkt bildet das Art Déco, das in die gleiche Zeit gehört wie die Klassische Moderne und einen spannenden Kontrast dazu bildete.

Epochen wie der Barock, der Klassizismus, Biedermeier oder die Gründerzeit werden häufig der Einfachheit halber als antike Möbel bezeichnet. Dabei umfasst alleine der Barock rund 200 Jahre.

Geschwungene Formen und aufwändige, mitunter fast schon kitschige Verzierungen sind typische Merkmale des barocken Stils. Auch speziellere Stilrichtungen wie Louis XIV. zählen dazu. Gerade für barocke Möbel passt der Begriff der Antiquitäten vermutlich am besten.

Biedermeier wird die Zeit zwischen 1815 und 1850 genannt. Die Besinnung auf die Familie und der Rückzug ins Private sorgten dafür, dass die Einrichtungen wieder schlichter, geradliniger und gleichzeitig gemütlicher wurden.

Derzeit gilt die Stilrichtung des Biedermeier wieder als modern und zeitgemäß. Und das, obwohl die Gründerzeit und der Jugendstil geschichtlich weniger weit zurückliegen.

Die Gründerzeit beginnt um 1850 und dauerte bis zum Ersten Weltkrieg an. Der Stil zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er Elemente aus den vorhergehenden Epochen gekonnt vereint. Um die Jahrhundertwende zwischen dem 19. und dem 20. Jahrhundert kam der Jugendstil auf.

Sein Markenzeichen sind organische Formen und eine stark ausgeprägte Ornamentik. Damit wurde der Jugendstil zum Gegengewicht für den nüchternen Historismus.

Vintage Möbel

Die Möbelstücke, die neudeutsch als Vintage bezeichnet werden, stammen in aller Regel aus der Zeit zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren. Die Objekte spiegeln den Geist der Moderne wieder und können deshalb aus Holz, aber genauso auch aus Kunststoff gefertigt sein.

Gut möglich ist ebenso, dass Möbelstücke Vintage sind, obwohl sie nach wie vor produziert werden. Das ist beispielsweise bei Designerstühlen oft der Fall. Während die Vintage-Stücke dann aus der Anfangszeit stammen, werden die aktuellen Modelle zwar im gleichen Design, inzwischen aber aus einem anderen Material oder in einem anderen Verfahren gefertigt.

Bei Vintage geht es außerdem weniger um große Namen. Worauf es ankommt, ist die Mischung aus einem oft außergewöhnlichen Design und der Patina samt Gebrauchsspuren. Tatsächlich sind es oft die kleinen Macken, die den Charme eines alten Möbelstücks ausmachen.

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Deshalb werden Vintage Möbel oft nicht großartig restauriert. Stattdessen dürfen sie ihren mitunter etwas schäbigen Charakter behalten. Es soll nämlich sichtbar bleiben, dass es sich um ein altes Schätzchen und eben keinen Nachbau oder ein Möbelstück von der Stange handelt.

Dass Vintage Möbel ein riesiger Trend sind, liegt auch an der Form. Kommoden und Sideboards aus den 50er- bis 70er-Jahren haben gerne einen schlanken Korpus mit dünnen Füßen. Dadurch wirken sie leicht und elegant zugleich, während klassische Antiquitäten durch ihre Bauart aus massivem Holz mit Schnitzereien oft groß, schwer und klobig daherkommen.

Zwei gute Gründe für alte Möbel

Die Zeiten, in denen sich auf Flohmärkten, in Online-Auktionen oder gar auf dem Sperrmüll gut erhaltene, alte Möbelstücke finden ließen, sind ziemlich vorbei. Und sich mit Möbeln aus zweiter Hand einzurichten, ist längst nicht mehr nur Studenten oder Kreativen vorbehalten.

Wer sich für Antikes oder Vintage begeistert, muss oft tief in die Tasche greifen. Doch es lohnt sich, nach ungewöhnlichen Stücken Ausschau zu halten. Und dafür gibt es vor allem zwei gute Gründe:

  1. Zeitlose Klassiker

Früher kauften die Leute ihre Möbel für ein Leben. Die Möbelstücke waren einfach zu teuer, um regelmäßig die Einrichtung zu wechseln. Die hohen Preise hatten aber durchaus ihre Berechtigung.

Denn zum einen wurden die Schreinerarbeiten größtenteils in Handarbeit erledigt. Maschinen für die Massenproduktion gab es noch nicht. Zum anderen liefen die Designer nicht selten zu Höchstformen auf, um Entwürfe für die Ewigkeit zu schaffen. Beides führte dazu, dass viele alte Möbel hochwertige Exemplare sind, die bis heute nichts von ihrer Ästhetik eingebüßt haben.

Vor allem Möbel aus Skandinavien, Frankreich, Italien und England erfreuen sich großer Beliebtheit. Doch auch das DDR-Design, das lange kaum beachtet wurde, erlebt seit einiger Zeit wieder einen großen Aufschwung.

  1. Gute Investition

So manches neue Standard-Möbelstück im Möbelhaus ist kostengünstiger zu haben als ein gut erhaltenes Vintage-Objekt. Trotzdem kann es sich lohnen, das Geld zu investieren. Denn wer einen marktüblichen Preis für ein seltenes Einzelstück bezahlt, kann ziemlich sicher sein, dass er diesen Preis bei einem späteren Verkauf auch wieder erzielt.

Oft ist es sogar eher so, dass das Möbelstück in einigen Jahren an Wert gewonnen hat. Im Unterschied dazu verzeichnen neue Möbel zunächst einmal einen Wertverlust. Und ob die heutigen Möbel aus Massenproduktion mehrere Jahrzehnte überdauern und dann gefragt sein werden, ist fraglich.

Wichtig ist aber, darauf zu achten, dass es sich tatsächlich um alte Originale handelt. Denn Möbel, die lediglich frühere Formen aufgreifen und auf alt getrimmt sind, haben mit Antiquitäten oder Vintage wenig zu tun.

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Ferya Gülcan, Künstlername "Feryal" Kunstmalerin und Fotografin, Norbert Sachmann, Galerist, Christian Gülcan (RZA) Kunstmaler und Inhaber diverser Kunstportale schreiben hier Wissenswertes zur internationalen Kunst, Galerien, Maltechniken und Kunstgeschichte.

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