Wie viel Talent braucht ein Künstler wirklich?

Wie viel Talent braucht ein Künstler wirklich?

Egal, ob es um Kunst, Musik, Sport, ein Hobby oder den Beruf geht: Zum Thema Talent wurde schon sehr, sehr viel gesagt. Trotzdem scheint die Sache mit dem ominösen Talent nicht geklärt zu sein.

Wie viel Talent braucht ein Künstler wirklich

Die Frage, ob jemand, der mit dem Malen oder Zeichnen anfangen möchte, Talent dafür braucht, wird regelmäßig gestellt. Sind die ersten Mal- und Zeichenversuche nicht ganz so erfolgreich, wird schnell das Fazit gezogen, dass das notwendige Talent eben fehlt.

Andersherum kommen Eltern und Großeltern beim Anblick eines Bildes entzückt zu der Erkenntnis, dass das Kind wirklich talentiert ist. Aber auch Galeristen und Kunstkritiker erklären gerne, dass der jeweilige Künstler ein besonderes Talent dafür hat, Motive in Szene zu setzen, Farben zusammenzustellen oder mit Formen zu spielen.

Das Talent wird so zum Totschlagargument:

Entweder jemand hat ein Händchen für Kunst oder nicht. Hat jemand Talent, kann er richtig gut malen und zeichnen, fehlt ihm die Begabung, wird es nichts.

Aber stimmt das tatsächlich? Wie viel Talent braucht ein Künstler wirklich?:

Talent – Was ist das eigentlich?

Es gibt viele verschiedene Ansätze, Talent zu definieren. Sinngemäß laufen die meisten Versuche darauf hinaus, dass es sich beim Talent um eine Begabung handelt, die einer Person außergewöhnliche oder überdurchschnittliche Leistungen auf einem bestimmten Gebiet ermöglicht.

Eine feste, verbindliche Definition wurde bisher aber noch nicht gefunden. Das dürfte daran liegen, dass es auch die Begabung nicht nur in einer einzigen Form gibt. Vielmehr kann Begabung die unterschiedlichsten Ausprägungen annehmen.

Dadurch wird es aber umso schwieriger, eindeutig einzuordnen, wie viel vom Können auf Talent zurückzuführen ist.

Vermutlich hat diese Problematik auch die Grundlage für den Mythos vom großen Talent geschaffen, das jemandem angeboren ist oder das er von seinen Vorfahren geerbt hat.

Ein geborenes Talent hat es schon in die Wiege gelegt bekommen, zu einem begnadeten Künstler zu werden. Wer hingegen nicht mit künstlerischem Talent gesegnet ist, wird es auf diesem Gebiet nicht weit bringen.

Der Mythos vom Talent ist ein Mythos

Wie so mancher Mythos, der sich hartnäckig hält, gehört auch der Mythos vom angeborenen oder geerbten Talent ins Reich der Märchen und Legenden.

Tatsächlich ist es so:

Wer von Haus aus eine gewisse Begabung mitbringt, wird sich leichter tun, das Malen zu lernen, sich Techniken anzueignen und seine Ideen umzusetzen.

Das heißt andersherum, dass jemand, der sich für weniger talentiert hält, länger brauchen wird und mehr üben muss. Doch der Weg, ein herausragender und erfolgreicher Künstler zu werden, steht ihm genauso offen.

Talent oder Begabung ist gut und nützlich, aber eben längst nicht alles. Und dafür gibt es einen ganz einfachen Grund: Das Malen und Zeichen ist zu einem kleinen Teil kreatives Schaffen. Der weit größere Teil ist aber echtes Handwerk. Und die Techniken, die dieses Handwerk ausmachen, kann jeder lernen. Er muss es nur wollen.

Mit der Kernaussage, dass Talent für einen Künstler zwar hilfreich, aber nicht zwingend notwendig ist, könnte dieser Beitrag jetzt enden. Denn die entscheidende Frage ist damit beantwortet.

Nur wissen wir eben auch, dass es viele Maler und Zeichner gibt, die an ihren Fähigkeiten zweifeln und in ihrer Verunsicherung dann doch wieder das nicht oder zu wenig ausgeprägte Talent bemühen. Sie geben sich deshalb mit der obigen Antwort vermutlich nicht zufrieden.

Wie kann ein Künstler fehlendes Talent kompensieren?    

An alten Weisheiten im Sinne von “Gut Ding will Weile haben” oder “Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen” ist viel Wahres dran. Denn niemand kommt als begnadeter Künstler zur Welt und muss sich einfach nur Pinsel und Farbe schnappen, um herausragende Kunstwerke zu erschaffen.

Das Talent kann noch so groß sein:

Es erfordert Übung und Erfahrung, bis ein Künstler die Techniken beherrscht, sie vertiefen und daran feilen kann. Künstlerische Fertigkeiten entwickeln sich stetig weiter. Der Lernprozess ist nie abgeschlossen.

Und es dauert, bis ein Künstler seinen Stil gefunden und seine Handschrift ausgearbeitet hat. Nicht ohne Grund spiegeln selbst die Gesamtwerke der ganz großen Meister verschiedene Phasen wider.

Für einen Künstler, der seine Begabung in Frage stellt, heißt das nichts anderes, als dass er eben noch etwas mehr Arbeit und Fleiß investieren muss als ein vermeintliches Talent. Es kann gut sein, dass er etwas länger braucht, bis er eine bestimmte Maltechnik gut umsetzen kann.

Genauso ist möglich, dass einige Bilder komplett missglücken, gewisse Motive einfach nicht gelingen oder der Lernprozess ins Stocken gerät. Doch das ist normal und gehört zur Entwicklung dazu.

Talent hilft nicht immer

Tatsächlich kann großes Talent manchmal sogar hinderlich sein. Denn wenn dem Künstler bislang alles immer leicht von der Hand gegangen ist, kann er schneller frustriert sein, wenn seine Fortschritte ins Stocken geraten.

Konnte er schon Erfolge feiern, kann er außerdem durch den Anspruch, den er an sich selbst und den andere an ihn stellen, unter Druck geraten. Im Unterschied dazu kann ein Maler, den niemand auf der Rechnung hat, nur positiv überraschen.

Und: Auch ein talentierter Künstler muss regelmäßig üben. Wenn er seine Begabung nicht nutzt und pflegt, verkümmert sie. Es ist ein bisschen wie mit dem Schlittschuhlaufen.

Es heißt zwar immer, man würde es nicht verlernen. Doch wer nach Jahrzehnten das erste Mal wieder auf dem Eis steht, wird sehr schnell feststellen, dass er ganz schön wackelig und unsicher unterwegs ist.

Genauso ist es mit dem Malen und Zeichnen. Wer nach langer Zeit einen Pinsel oder Bleistift in die Hand nimmt, wird eine Weile brauchen, bis er wieder im Thema ist.

Fazit

Es wäre falsch, zu behaupten, dass Talent gar keine Rolle spielt. Vielleicht lässt sich die Kunst an dieser Stelle mit dem Kochen vergleichen:

Jeder kann lernen, eine gute Suppe zu kochen. Denn die Zusammenstellung, die Verarbeitung und die Zubereitung der Zutaten ist Handwerk. Der kleine Unterschied, der aus einer guten eine sehr gute Suppe macht, ist dann das Zusammenspiel aus Erfahrung, Übung und Talent.

Talent kann dem Künstler dabei helfen, seine Fähigkeiten zu perfektionieren. Wer keine natürliche Begabung mitbringt, muss länger und härter arbeiten. Und vielleicht bringt er es nicht zur Perfektion. Aber früher oder später wird er eindrucksvolle Kunstwerke erschaffen, wenn er am Ball bleibt.

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Inhaber bei Artdefects Media Verlag
Ferya Gülcan, Künstlername "Feryal" Kunstmalerin und Fotografin, Norbert Sachmann, Galerist, Christian Gülcan (RZA) Kunstmaler und Inhaber diverser Kunstportale schreiben hier Wissenswertes zur internationalen Kunst, Galerien, Maltechniken und Kunstgeschichte.
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Ferya Gülcan, Künstlername "Feryal" Kunstmalerin und Fotografin, Norbert Sachmann, Galerist, Christian Gülcan (RZA) Kunstmaler und Inhaber diverser Kunstportale schreiben hier Wissenswertes zur internationalen Kunst, Galerien, Maltechniken und Kunstgeschichte.

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