Osmanische Kunst

Osmanische Kunst

 

Die osmanische Kunst war von vielen verschiedenen Kunsttraditionen beeinflusst. So fanden vorislamische und altorientalische Elemente sowie Komponenten der frühislamischen und der griechisch-römischen Kultur Einzug in das osmanische Kunstschaffen. Auch byzantinische, christliche, zentralasiatische, türkische und sogar fernöstliche Stile wurden in der Kunst der Osmanen aufgegriffen. Später kamen noch syrische, ägyptische und iranische Einflüsse dazu.

Die Einflüsse, Auswirkungen und Übernahmen von Stilelementen aus anderen Kunsttraditionen hatten aber nicht zur Folge, dass ein bunt zusammen gewürfelter Stilmix entstand. Stattdessen bildete sich mit der osmanischen Kunst eine neue, eigenständige Kunst mit einem einmaligen und unverwechselbaren Charakter heraus. Als die klassische Zeit der osmanischen Kunst gilt das 16. Jahrhundert. Hier bildete sich ihre charakteristische Ausprägung heraus und die osmanische Kunst erlebte eine echte Blütezeit.

Osmanische Kunst

2,50m x 1,50 Moderne osmanische und arabische Gemälde

Auch in den beiden folgenden Jahrhunderten waren die Kunst und das Kunsthandwerk der Osmanen von maßgeblicher Bedeutung. Die allmähliche politische und wirtschaftliche Schwächung des osmanischen Reiches spiegelte sich dann jedoch auch in der Kunst wider.

So ging die künstlerische Produktion zunehmend zurück, später wurde auch ihre Qualität schlechter und die Eigenständigkeit der osmanischen Kunst ging nach und nach verloren. Die wunderbaren Dekore und die kostbar anmutende Ästhetik der osmanischen Kunst werden heute jedoch gerne wieder aufgegriffen und neu interpretiert.

 

Die charakteristischen Merkmale der osmanischen Kunst

Das islamische Bilderverbot hatte zur Folge, dass in der osmanischen Kunst figürliche Darstellungen nur sehr selten vorkamen. Wenn Lebewesen abgebildet wurden, so war dies auf wenige Kunstgattungen wie beispielsweise die Miniaturmalerei beschränkt. Im Mittelpunkt des künstlerischen Schaffens stand stattdessen die Ornamentik. Sie bildete das Hauptthema und das prägende Element der osmanischen Kunst.

Das Repertoire an ornamentalen Motiven war vielseitig, insgesamt aber überschaubar. Die Dekore entstammen fast durchweg der Pflanzenwelt. Zu den beliebtesten Motiven gehörten Gartenblumen und hier hauptsächlich Tulpen, Rosen und Nelken. Aber auch Blumen wie Lilien, Hyazinthen, Narzissen, Veilchen und Jasmin wurden gerne verwendet, manchmal stellten die osmanischen Künstler auch Phantasieblumen dar.

Neben Blumen waren weitere Pflanzenformen beliebte Ornamente, darunter Früchte, Bäume, Ranken und Girlanden, die sich aus verschiedenen Blattformen zusammensetzten. Allerdings wurden die Schmuck- und Zierelemente nicht möglichst naturgetreu und wirklichkeitsnah abgebildet. Die Details des Motivs wurden zwar sehr genau beobachtet und in einer äußerst sorgfältigen, fast schon akribisch genauen Form mit zahlreichen feinen Einzelheiten dargestellt.

Aber gleichzeitig kennzeichneten sich die Abbildungen durch ein hohes Maß an Abstraktion und Stilisierung. Die Blumen und Pflanzen wurden also mit einem ausgeprägten Anspruch an die Ästhetik zu dekorativen Ornamenten umgestaltet. Dieses Zusammenspiel aus der sehr genauen Naturbeobachtung und der abstrakten, stilisierten Realitätsferne ließ einen anmutigen und beeindruckend schönen Ornamentalstil entstehen. Die sehr feine, fast filigrane Linienführung in Kombination mit der überaus präzisen und sorgfältigen Ausführung bestärkte die dekorative Wirkung.

Aus diesem Grund wird im Zusammenhang mit dem osmanischen Kunststil auf vom Zierstil gesprochen.   Die Motive selbst wurden meist zu komplexen Ornamentsystemen zusammengefügt. Die einzelnen Ornamente wurden variiert, vervielfältigt, symmetrisch gedoppelt, miteinander verflochten, geometrisch angeordnet oder in eine rhythmische Reihenfolge gebracht. So entstand eine harmonische Gesamtkomposition, die sich oft über die gesamte Fläche erstreckte.

Obwohl die Einzelformen abstrakt und stilisiert waren, strahlte das Arrangement Spannung, Bewegung und Lebendigkeit aus. Insgesamt lässt sich der osmanische Kunststil als eine gelungene und einzigartige Mischung aus Ideenreichtum, Freude am ausdrucksstarken Gestalten und einem ausgeprägten Drang nach Ordnung beschreiben. Sein Charakter ist verspielt, harmonisch und systematisch ordnend zugleich.

Die wichtigsten Ornamente in der osmanischen Kunst

Neben Tulpen, Rosen und Nelken, die in allen nur erdenklichen Varianten auftauchen, gab es in der osmanischen Kunst ein paar Ornamente, die als Leitornamente bezeichnet werden können. Eines dieser Hauptornamente ist die Arabeske. Die Arabeske war eine Ranke, die sich aus zwei Elementen zusammensetzte. Das eine Element waren Blätter, die sich wiederholten.

Verbunden wurde das Laub durch eine Ranke, die das zweite Element bildete. Das Rankenwerk wurde immer wieder abgewandelt und in neuen Formen dargestellt, mal spiralförmig, mal verflochten und mal ineinander verschlungen. Im Türkischen hieß das Ornament „rumi“, was römisch bedeutet und auf seinen Ursprung hindeutet.

Ein zweites Leitmotiv war das „saz“-Ornament.

Hierbei handelte es sich um ein längliches, oft gezacktes oder gefiedertes Blatt mit einer Rippe in der Mitte. „Saz“ war die osmanisch-türkische Vokabel für Rohr oder Schilf und so liegt die Vermutung nahe, dass das Ornament ein stilisiertes Schilfblatt darstellen könnte. Meist waren die Blätter gebogen abgebildet, rotierend angeordnet und mit weiteren Ornamenten kombiniert. Neben Rosen tauchten saz-Blätter oft mit dem hatayi-Motiv, einem weiteren Leitelement der osmanischen Kunst, auf.

Das hatayi-Motiv war ein Blumenornament mit großen, prächtigen Blüten und verästelten, spiralförmig angeordneten Blättern. Das Wort „hatayi“ war die osmanisch-türkische Bezeichnung für Lotos und könnte deshalb auf die fernöstlichen Wurzeln des Ornaments hindeuten. Denkbar ist aber auch, dass dem Ornament die Pfingstrose zugrunde liegt.

Ein ebenfalls recht häufiges Ornament ist das „çintamani“. Diese Figur setzte sich aus drei Kugeln zusammen, die von stilisierten, wellenartig angeordneten Paaren von Wolkenbändern begleitet sein konnten. Es wird vermutet, dass es sich bei dem Ornament um ein himmlisches Motiv handeln könnte und die Kugeln für die Sterne am nächtlichen Himmel stehen. Beliebt war auch das Ornament „mühr-ı Süleyman“.

Diesem sechszackigen Stern wurden eine magische Wirkung und Kräfte, die Unheil abwehren, nachgesagt. Halb- und Viertelmonde, die ebenfalls als Ornamente in der osmanischen Kunst auftauchen, werden als Symbol für Mohammed oder den Islam selbst gedeutet. Das Ampelmotiv, das eine herabhängende Moscheelampe darstellt, symbolisiert das Licht und die Erleuchtung.

Es leitet sich aus einem Koranvers ab, der Gott mit dem Licht einer Lampe vergleicht. Zudem verwendete die osmanische Kunst Ornamente, die sich aus geometrischen Grundformen zusammensetzten. Eine große Rolle spielten zudem kunstvolle und schmückende Schriftzüge. Sie waren aber nicht nur als dekorative Ornamente beliebt, sondern wurden auch wegen ihrer Inhalte geschätzt.
Objekte im Stil der osmanischen Kunst sowie andere Produkte, Kunst und Waren finden Sie
bei unserem exklusiven Lagerverkauf und Atelier in Bremen, siehe: <<Shop>>

Teilen:

Kommentar verfassen